»Hustle!« sagte der Eigentümer des Brenham Herald, mich über die Brille hinweg anblinzelnd. »Kennen Sie das Wort? Drängen heißt es, sich rühren, sich mit beiden Ellbogen vorwärts schieben. Hustle!«


Die Zeit schwand dahin. Längst war die weiße Pracht der Felder hinausgewandert nach den Baumwollzentren der Welt; die weiten Strecken lagen öde, gedörrt vom Sonnenbrand da. Der Indianersommer kam, der wundervolle Texasherbst mit seinen leuchtenden roten und braunen Farben, mit seiner goldenen Sonne. In aller Herrgottsfrühe, in der Morgendämmerung, begann immer die Arbeit der Farm. Zuerst war es Baumwollpflücken gewesen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, dann kam das Einernten der Maiskolben, dann das Schneiden des texanischen Zuckerrohres, des Winterfutters für Pferde und Vieh. Als die Ernte eingeheimst war, ging es an Kleinarbeit. Die Stacheldrahtzäune wurden ausgebessert, wir legten Bewässerungsgräben für die Felder an, wir flickten unser Sattelzeug, wir bauten einen neuen Stall, wir besserten die Farmwagen aus und strichen sie schön grün an, oder rumorten zwischen den Pflügen und Farmgeräten. Die Arbeit der Texasfarm schien mir keine Bürde.

»Ich kann mir kein rechtes Bild von deinem Leben machen,« schrieb mir einmal mein Vater. »Du berichtest über Reiten und Schießen und Jagen, du schreibst uns lustige Negergeschichten. Ist das Bauernarbeit in Texas?«

Doch die Arbeit war da und sie war schwer. Die ganze Art des Landes jedoch gab ihr einen romantischen Zug, und dieser romantische Zug vergrößerte sich ins Ungeheure für einen jungen Menschen wie mich. So wie es in der Stadt keine kleinere Münze als fünf Cents gab, weil kein Mensch sich mit Kupfergeld abgeben wollte, so fehlte auch auf der Texasfarm jede Kleinlichkeit. Wie sonniger Leichtsinn lag es über dem fast jungfräulichen Land, das ohne künstliche Hilfe reiche Ernte hergab. Dumpf dahin zu arbeiten, fiel hier keinem Menschen ein. Wir lebten auf der Farm in freier Natur ein freies Leben, das selbst schwerer Arbeit einen merkwürdigen Reiz verlieh. Und manchmal war die Arbeit wie ein Fest …

»Well, Jungens,« sagte der alte Muchow eines Abends, »ich denke, wir machen uns jetzt an den Wald drüben bei der Slimpachtung und hauen uns ein neues Stück Feld heraus.«

Am nächsten Morgen ritten Charley und ich zu den Negerpächtern der Umgegend und trieben Arbeiter auf, und am nächsten Tag schon begann die Arbeit. Im Morgengrauen zogen wir hinaus. Voraus ritten der alte Mann, Charley und ich, hinter drein fuhr Jim der Neger mit vier Maultieren und einem Farmwagen, bepackt mit zwei riesigen Kesseln und Säcken mit Proviant. Über Ackerfurchen und knisternde Maisstengel ging's hinweg. Am Waldrande prasselte ein Feuer aus dürrem Holz, an dem zwei schwarze Gestalten kauerten und sich die Hände an den Flammen wärmten. Es war Neger Slim und seine Ehefrau Melusina Maryanne.

»Schön' guten Morgen, Mistah Muchow, schön' guten Morgen, Mistah Charley, Mistah Ed. Feine Sache, so 'n kleines Feuerchen. Nix niemand noch nich' da von die faulen Niggers.«

»Wie viele kommen denn, Slim?«

»Sechzig Stück, Mistah Muchow – jeder gesegnete Farmnigger in dieser Gegend, so wahr dieses Kind einmal in' Himmel kommen will. Nur der Washington Columbus von Mistah Davis sein' Farm nich' un' das ist schade, weil das ein Nigger is', der mit die Axt fein Bescheid weiß.«