Und würdevoll schlenderte er die Straße hinab, mit den Vierteldollars in seiner Hosentasche klimpernd.

Charley und ich gingen in Gus Meyers Salon an der Ecke der Wandelhalle. Der kleine Raum war peinlich sauber, der Boden mit weißem Sand bedeckt. An der Decke schnurrten elektrische Fächer, deren scharfer Luftzug Kühlung brachte. Männer, die an der Bar schnell ein Glas Bier hinunterstürzten, gingen und kamen fortwährend. An einem großen runden Tisch saß um eine gewaltige Platte von Kaviarbrötchen eine lustige Gesellschaft.

»Der deutsche Klub,« flüsterte Charley mir zu. »Guten Morgen, gentlemen! Es würde mich eine pleasure sein, die nächsten Biers zu trihten …«

»Lieber Muchow, Ihr Deutsch ist 'was Gräßliches,« schmunzelte ein dicker Herr. »Es würde Ihnen also ein Vergnügen sein, die nächste Auflage Bier zu stiften? Bewilligt!«

»Yes, that's it,« sagte Charley. »Und dies hier ist ein junger Deutscher, der – – «

»Wissen wir,« lächelte der dicke Herr mit vergnügten Äuglein. »Sie unterschätzen das alte Brenham und seine Neugierde, lieber Muchow. Meinen Sie wirklich, daß jemand brühwarm aus Deutschland nach dieser feinen Metropolis kommen kann, ohne daß darüber gesprochen wird? Prosit!« (Zu mir): »Wie gefällt's Ihnen? Gut? Ja? Das ist merkwürdig, denn zwischen Gymnasium und Farmarbeit ist doch ein wesentlicher Unterschied. Well – manchmal wundere ich mich, was sich eigentlich deutsche Eltern dabei denken, wenn sie – – na ja, dies ist 'ne verrückte Welt. Sehr verrückt. Aber man darf nur keine Müdigkeit vorschützen. Es wird Ihnen noch gut gehen – und es wird Ihnen noch schlecht gehen – aber schützen Sie nur ja niemals Müdigkeit vor!«

Er sah sicherlich nicht müde aus. Weder er noch die anderen. Sie sprühten von Kraft und Selbstvertrauen. Der Herr mit den vergnügten Äuglein war der Eigentümer des Brenham Herald, der Zeitung der Stadt, die in einer täglichen englischen und in einer wöchentlichen deutschen Ausgabe erschien. Da war der Agent einer Großbrauerei und ein Sattlermeister, der Besitzer einer Sodawasserfabrik und der Vertreter eines Nähmaschinengeschäfts. Das Gespräch drehte sich nur um Arbeit und Geld und neue Unternehmungen. In Brenham war Erntezeit in mehr als einem Sinn. König Baumwolle herrschte, King Cotton, wie der amerikanische Süden seine weiße Silberfrucht nennt – King Cotton ritt über das Land und verwandelte sein Reich von feinen weißen Fäden in schweres gleißendes Gold. Das Geld rollte. Der allmächtige Dollar strömte aus Dutzenden von Zufuhrstraßen nach dem Texasstädtchen. Der Farmer bezahlte den Kredit, den er das Jahr über bei den Geschäftsleuten der Stadt in Anspruch genommen hatte, er kaufte Maschinen und gab Geld für Vergnügen aus. Und männiglich mühte sich offenbar aus Leibeskräften, möglichst viel von dem Goldsegen zu erhaschen. Diese deutschen Männer, die deutsch und englisch wirr durcheinander sprachen, begnügten sich nicht etwa mit einem einzigen Beruf, mit einem einzigen Geschäft, sondern dehnten ihre Interessen nach allen möglichen Richtungen aus. Der Redakteur und Verleger, so hörte ich mit Staunen, betrieb nicht nur nebenbei die einzige Buchhandlung Brenhams, sondern er besaß auch eine Farm und hatte außerdem Geld in allen möglichen Unternehmungen stecken. Augenblicklich war er eifrig damit beschäftigt, bei Kaviarbrötchen und schäumendem Lagerbier eine Eisfabrik zu gründen. In zehn Minuten setzte er seinen Freunden auseinander, daß Eis als Stapelbedarf des Südens ein ausgezeichneter Fabrikationsartikel sei und daß er gar nicht einsehe, weshalb Brenham sein Eis von auswärts beziehen müsse. Die anderen nickten zustimmend – der Sattlermeister, der nebenbei noch eine Sägemühle besaß; der Bieragent, der Direktor von zwei Brenhamer Gesellschaften war; der Nähmaschinenmann, der aus Mexiko Mustangs importierte …

»How much?« fragte der Sattlermeister.

»Zehntausend, oder sagen wir fünfzehntausend,« meinte der dicke Herr.

In weiteren zwanzig Minuten hatte sich die Gesellschaft einverstanden erklärt. Die Brenham Ice Company Limited war so gut wie gegründet! Und im nächsten Augenblick wurde fast gleichzeitig darüber gesprochen, wer als geschäftsführender Direktor der neuen Eisfabrik bestellt werden sollte, und wo man heute abend pokern wollte.