»Ich will aber nur spazierengehen!«

»Dann nimm Geld mit!«

»Aber ich habe ja noch dreizehn Dollars ungefähr, und dann will ich ja auch gar kein Geld ausgeben.«

»Dann geh' spazieren! Viel Vergnügen, mein Junge!«

So ließ ich ärgerlich die beiden sitzen und lief voller Neugierde die lichterfunkelnde Hauptstraße entlang, in einem Gedränge von Cowboys und eleganten Herren und arg geschminkten Damen. Die Salons lockten mich gar nicht. Aber ein Plakat – eine Tänzerin darstellend, mit dem in grellen Lettern daruntergedruckten Vermerk »Eintritt frei in dieses Varieté!« – schien mir gerade das Richtige. Ich trat ein. An runden Tischchen saßen viele Menschen, darunter merkwürdig viele Damen in phantastischen Kostümen. Das reine Maskenfest! Seide in grellen Farben überall, funkelndes falsches Geschmeide, bemalte Gesichter.

»Furchtbar interessant …« dachte ich mir.

Ein Kellner (in dunkelrotem Flanellhemd und Hosen aus Manchestersamt) brachte mir eine Flasche Bier, für die er einen halben Dollar einkassierte, was ich teuer fand. Dann öffnete sich der Bühnenvorhang, und eine dicke Blondine krähte einen Gassenhauer –

»When the bells go tinge–linge–ling
We'll join hands and sweetly we shall sing:
There'll be a hot time
In the old town –
Tonight, my darling – tralala …«

Die Tingeling Glocken und das süß gesungene Versprechen, daß heute noch der Teufel los sein würde im alten Städtchen, schienen tiefen Eindruck auf die Zuhörer zu machen, denn sie brüllten vor Vergnügen und trampelten in gräßlichem Gedröhn mit ihren schweren Stiefeln. Der Teufel im Städtchen mußte auch in mystischem Zusammenhang mit den Lackstiefelchen der Blondine stehen, denn auf diese deutete sie fortwährend. Dann tanzte sie ein bißchen und machte furchtbar viele Knixe, und dann löste eine andere junge Dame sie ab. Die hörte ich aber gar nicht, denn – die dicke Blondine kam hinter dem Vorhang hervor und steuerte schnurgerade auf meinen Tisch zu. Neben mich setzte sie sich!

Am liebsten wäre ich davongelaufen!!