»Grandioser alter Gedanke!« murmelte Joe.
Ich aber wunderte mich nur. Die Hetzfahrt durch die vier Staaten hatte mich schon gelehrt, zu staunen, ohne viel zu fragen. Bald nach Sonnenaufgang gingen wir hinüber zu dem winzig kleinen Stationshäuschen, traten in das Zimmer des Agenten, und Billy setzte mit einer absoluten Wahrhaftigkeit, die unter den Umständen fast komisch war, dem Mann auseinander, was er wollte. Der war fast sprachlos vor Erstaunen.
»Hier bleiben wollt ihr?…« stotterte er endlich. »In diesem verdammten Sandloch?«
Billy erklärte ihm noch einmal, daß wir durchaus keine Tramps, sondern nur unruhige Gesellen seien, die zwar kein Geld für so törichte Dinge wie Fahrkarten ausgäben, aber sonst alles bar bezahlten – »Weiß schon, verstehe schon!« brummte der Agent – und daß wir einige Wochen lang ein billiges Leben führen wollten.
»Sommerfrische! Verstehen Sie denn nicht?« lachte Billy.
»Die verrückteste Idee, die mir in meinem Leben vorgekommen ist,« meinte der Agent grinsend. »Aber es geht. Es geht wirklich!«
Und es ging. Mrs. Jack Parker, eine rundliche Witwe, der das größte der vierzehn hölzernen Häuser der Station gehörte, übernahm gegen eine bare Vorausbezahlung von fünfundzwanzig Dollars gerne die Verpflichtung, uns drei Männer zwanzig Tage lang zu behausen und zu beköstigen. Es war spottbillig. Nun konnte ich mich aber nicht mehr halten:
»Dies ist ein Märchen!« sagte ich zu Billy.
»Ist es auch,« jubelte er und seine Augen leuchteten. »Sollen auch zwanzig Märchentage sein – gerade so unwahrscheinlich und gerade so schön wie ein wirkliches Märchen. Hm – Unsinn. Welch' ein Kind Sie doch sind! Billige Tage billiger Beschaulichkeit sind es – weiter nichts!« Und er lachte lustig …
"Lucky Water" hieß die Station – Glückswasser. Sie und die vierzehn Häuschen hinter ihr verdankten ihr Dasein dem ungeheuer tiefen artesischen Brunnen neben dem Stationshäuschen, den einst die Santa Fé hatte bohren lassen müssen, weil die Strecke zwischen den beiden nächsten Stationen zu lang war, als daß die Lokomotiven sie ohne Wasser hätten durchmessen können. So reichlich Wasser spendete der Brunnen, daß es möglich gewesen war, eine einfache Bewässerungsanlage herzustellen und mitten im Sand Gemüse zu bauen und Vieh zu züchten. So waren die vierzehn Häuschen entstanden. Und jeden Abend nahm der Eilfrachtzug die Gemüsekörbe und die Milchkannen mit nach der nächsten großen Stadt. Es waren einfache Menschen, die Leute von Lucky Water, die uns wahrscheinlich für ein bißchen verrückt, aber doch harmlos hielten.