»Weshalb machten sie dich gleich zum Oberleutnant?« lachte ich.
»Bin ich vorgestern erst geworden!« berichtete er vergnügt. »Telegraphisch. Von wegen der Schlacht. Teddy sorgt für seine Leute. Weiß der Kuckuck, wo Jack (das ist mein Putzer) den Oberleutnantsstern aufgegabelt hat. Aufgenäht hat er ihn mir jedenfalls auf die Jacke — und meine Würde erdrückt mich beinahe!«
Erzählen — erzählen ... Wir rechneten uns aus, daß wir beim Sturm auf den San Juan-Hügel keine hundert Meter voneinander entfernt gewesen sein konnten, und im Planters-Hotel in Tampa im gleichen Saal gegessen haben mußten, ohne es zu ahnen. Wie groß die Welt war und doch wie klein! Stunde auf Stunde verschwatzten wir, bis ihn und mich der Dienst rief.
Wochen später, als ich auf der Insel des gelben Fiebers aus dem Delirium erwachte und denken und verstehen konnte, gab mir der Arzt einen Briefumschlag. Fünf gelbe Banknoten steckten darin, zu zwanzig Dollars eine jede. Und ein Zettel:
»Lieber Ed. Unser Schiff dampft heute, den 30. Juli, nach dem alten Land. Der Doktor schreibt mir, du würdest durchkommen. Wußte, sie würden dich nicht unterkriegen, alter Junge. Das Geld kannst du vielleicht gebrauchen. Gib es mir zurück, wenn es dir paßt. Hörte von Major Stevens, du seiest zum Sergeanten ernannt worden. Auf Wiedersehen — Billy.«
Ich sollte ihn erst in einem Jahr wiedersehen, unter Verhältnissen, die noch viel merkwürdiger waren als das Begegnen im Tal von Santiago.
Die Krankheitsziffern in den Schützengräben stiegen zu erschreckender Höhe, und immer blasser und gelber wurden die Gesichter der Männer auf den Hügeln. Unerträglicher schien die Sonnenglut von Stunde zu Stunde fast und fürchterlicher die endlosen Regengüsse. Noch war die Zahl der schweren Erkrankungen an wirklicher Ruhr und Malaria verhältnismäßig gering, die Zahl der Leichtkranken jedoch ungeheuer groß. Den ganzen Tag über umringten sie das Doktorzelt, und der Sanitätssergeant verteilte im Schweiße seines Angesichts unablässig Chininpillen und Opiumpräparate.
Die Befehle und Meldungen, die über unseren Draht gingen, zeigten zwar nur einen winzig kleinen Ausschnitt der allgemeinen Situation, aber sie ließen unschwer erkennen, daß die Führer der Truppen voll Besorgnis waren und daß alles nach einer Entscheidung drängte. Am 8. und 9. Juli gab es viel zu tun. Die Depeschen, die genaue Berichte über die Krankenzahl einforderten, jagten sich. In den Antworten der einzelnen Regimenter hieß es immer wieder: Allgemeiner Gesundheitszustand höchst unbefriedigend. Chefärzte kamen vom Hauptquartier und untersuchten die Truppen; lange Konferenzen fanden statt im Zelt des Generals.