Da telegraphierte am Abend des 9. Juli das Hauptquartier, daß mit Mitternacht der Waffenstillstand ablaufe. Die Wirkung auf die Truppen, die nun sofort in den Schützengräben konzentriert wurden, war verblüffend. Die gedrückte Stimmung schien wie weggeblasen. Die Aussicht auf Arbeit machte die Männer in den Schützengräben wieder frisch und kräftig. Ueberall von den Hügeln erklang an jenem Abend der Tingeltangelschlager, den die Soldaten im Uebermut des Sieges in der Kampfnacht gesungen hatten. Er war zum Schlachtlied der kubanischen Armee geworden —

When the bells go tinge — linge — ling
We’ll join hands and sweetly we shall sing —
There’ll be a hot time
In the old town
Tonight, my Darling!

»Heut abend ist der Teufel los im Städtchen ...«

Mit dem Morgengrauen begann das Kleingewehrfeuer auf der ganzen Linie. Vom San Juan-Hügel her dröhnten Geschütze. Die Spanier erwiderten das Feuer nur schwach. Ein unbedeutendes Ferngefecht war es — wie auch am nächsten Tag.

Mir ist dieser 10. Juli eine lustige Erinnerung. Im Laufe des Nachmittags lief eine Depesche ein, in der Präsident McKinley unserem General Bates seine Ernennung zum Major General anzeigte, der höchsten militärischen Würde in den Vereinigten Staaten. Das war natürlich ein großes Ereignis. Ich machte mich sofort auf den Weg nach den Schützengräben, um dem General das Telegramm zu bringen. Ueberall knatterte es vorne auf dem Hügel, und dann und wann pfiff eine feindliche Kugel durch die Luft. Ich eilte durch den Hauptgang und erfuhr von der Stabsordonnanz, daß der General im Schützengraben rechts sei. Nach wenigen Schritten sah ich auch schon die Gruppe der Stabsoffiziere. Und — da packte mich eine ganz verrückte Idee ... Ein Held wollte ich sein! Auszeichnen wollte ich mich — auffällig auszeichnen — wunderbar tapfer sein ... Gedacht, getan. Mit einem Ruck richtete ich mich auf und stand kerzengerade da, daß Kopf und Schultern über die Brüstung des Schützengrabens hinausragten. Zischend surrte eine Kugel an meinem Ohr vorbei. Eine zweite. A — aah! So — ooh! So — oo — benahm sich ein Ritter ohne Furcht und Tadel im Kugelregen — so — olche Leute machte man zu Offizieren — in meinem Kopf wirbelte es von Tapferkeit und Todesverachtung — sans peur et sans reproche — a — aah — fais ce que dois, adviegne que pourrac’est commandé au chevalier ... und ganz langsam und bolzengerade stelzte ich über die Beine der feuernden Infanteristen hinweg auf den General zu. Begeistert war ich — von mir selber. Ich kam mir wirklich wahrhaft heldenhaft vor. S — sss — ssss — — zischte es. Und ich reckte mich noch höher auf und stellte mich stramm hin und meldete eiskalt:

»Depesche für Major General Bates!«

Der alte Herr, der im Graben kauerte, streckte die Hand nach der Depesche aus und sah mich scharf an.

Mich aber überlief ein leichtes Zittern. Jetzt — jetzt — jetzt mußte es kommen —

Der General sah mich noch immer scharf an und um seine Mundwinkel zuckte es. Dann sagte er leise, aber sehr deutlich: