»Get down, you fool!«

»Duck dich — du Narr!«

Da klappte ich zusammen wie ein Taschenmesser. Aus war’s mit dem Heldentum. Und zu meiner Ehre sei es gesagt, daß der Bruchteil einer Sekunde mir genügte, um zu erkennen, welch furchtbar lächerlicher Hanswurst ich soeben gewesen war.


Die kriegerischen Ereignisse im Tal von Santiago de Cuba nahten rasch ihrem Ende. Am 12. Juli begannen wieder die Verhandlungen. Am gleichen Tag traf der Höchstkommandierende der amerikanischen Armee, General Miles, in Siboney ein. Am 13. Juli hatten er und General Shafter eine Besprechung mit General Toral, dem spanischen Kommandierenden. Am 14. Juli kapitulierte Santiago de Cuba, und die spanische Armee gab sich kriegsgefangen.


Es war um Mittag des 14. Juli. Zwischen den amerikanischen und spanischen Linien, dreihundert Meter etwa rechts seitlich von unserem Hügel, hundertundfünfzig Meter in Front, stand inmitten einer weiten grasigen Fläche ein ungeheurer Mangobaum. Ein Riese. Der mächtige Stamm zeichnete sich im grellen Sonnenlicht scharf gegen das Grün und Gelb des Bodens ab. Die breitwipflige Krone ragte massig empor, wuchtig in ihrem Dunkel wie ein Gebäude. Da erzitterten Trompetentöne. Der Paraderuf, jedem Regulären wohlbekannt. Feierlich, gedehnt. Und die Männer in den Schützengräben sprangen auf die Brüstungen, kauerten sich hin und sahen schweigend zu, wie aus dem Bodeneinschnitt beim San Juan-Hügel Reiter in langsamem Schritt hügelabwärts ritten dem Baumriesen zu. Ich konnte durch mein Glas die Gestalten deutlich erkennen. General Miles war es, General Shafter, einige Offiziere, zwei Trompeter. Gleichzeitig glitzerte es drüben in den spanischen Linien von Epauletten und goldenen Borten und Pferden und Reitern in dunklen Umrissen.

Die beiden Reitertrupps kamen sich näher, hielten einen Augenblick. Dann sprangen die Offiziere von ihren Pferden, und Ordonnanzen brachten Feldstühle und stellten sie auf im Schatten des Mangoriesen. In den amerikanischen Schützengräben war es mäuschenstill. Fünfzehntausend Männer, sechzehntausend, siebzehntausend, warteten in tiefem Schweigen. Drüben beim Feind tauchten aus Gestrüpp und Dschungelgras in langer Linie weiße Strohhüte auf und Gestalten in hellen Uniformen. Still war es. Ganz still. Zwanzig Minuten lang, eine halbe Stunde vielleicht. Dann kam Bewegung in die Gruppe beim Mangobaum. Pferde wurden herbeigeführt, Reiter stiegen in die Sättel, und langsam ritten die beiden Trupps zu ihren Linien zurück. Die Männer in den Schützengräben schauten noch immer. Niemand sprach. Nichts rührte und regte sich.

Da blitzte ein Farbenfleck auf in dem tiefen Dunkel der Mangobaumkrone.

Rot — blau ... Er wurde deutlicher. Breitete sich aus. Und ich starrte und starrte, einer von Tausenden, und sah den Farbenfleck sich entfalten in grelle Streifen und winzige Punkte.