»Jawohl! Jaw — oohll! Reiß’ das Maul nur recht weit auf, mein Sohn! Schrei’ Befehle, daß dir die Hosenträger platzen! Denn du weißt es ja, daß jetzo tiefer Friede herrscht in dieser schönen Gegend — und du verstehst dein Metier und du weißt es ja, daß alle Kriegskunst im Frieden darauf hinausläuft, recht laut und recht viel zu kommandieren! Auf daß jedermann möglichst chikaniert werde! Hol’ dich der Teufel! — Was sagt er?«
»Es ist mit Strenge darauf zu achten, daß alles Trinkzwecken dienendes Wasser gehörig abgekocht wird — « klickte der Klopfer.
»Gehörig abgekocht wird!« höhnte Souder. »Du bist ja von vorgestern, Oberstchen. Wer jetzt nicht schon die Cholera im Bauch hat, kriegt sie nimmer. Kable lieber nach Washington und sorge dafür, daß sie uns endlich gar nichts schicken als immer nur Speck und Speck und Speck! — Was ist das?«
»Offizieren darf ohne Erlaubnis des kommandierenden Generals, der diese Erlaubnis nur in besonderen Fällen erteilen wird, Urlaub nach Santiago de Cuba nicht gewährt werden.«
»Aha! Die Schulterstreifen dürfen auch nicht hinein! Was dem Regulären recht ist, muß dem Leutnant billig sein. Der Reguläre könnte sich besaufen, und der Leutnant vielleicht auch, aber sicherlich der Herr Oberst. Also geht nur der Herr Oberst ins Städtchen, damit er mehr unter sich ist! Oh — hol dich der Teufel!«
Dabei lag natürlich in den telegraphischen Befehlen zielbewußte Vernunft, während die Kritik des Mannes hinter dem Gewehr purste Unvernunft darstellte. Begreifliche Unvernunft jedoch. Dem begeisterten Jubelgeschrei des Sieges war in einer kurzen Stunde ganz gewöhnliches Geschimpfe gefolgt in den Schützengräben. Die derben alten Regulären da droben auf dem Hügel drückten sich noch viel saftiger aus als der lustige Signalsergeant. Als sie die Fahne flattern sahen über dem Friedensbaum, hatten sie sich eingebildet, daß es ein paar Stündchen höchstens dauern könne, bis der Befehl gegeben würde, männiglich solle seine Siebensachen zusammenpacken zum Einzug in die Stadt. Hei — oh — zum Marsch in die Stadt! So mancher mochte zungenschnalzend kalkuliert haben, was für schöne Dinge die silbernen Dollars in der Tasche alle kaufen konnten — diese silbernen Dollars, die so völlig wertlos und vergnügungsbar gewesen waren seit Wochen im Drecklager.
Ausgerutscht!
Die Träume von netten Mahlzeiten, reinen Betten und dankbaren, vom spanischen Joch befreiten Mägdelein zerrannen in völliges Nichts. Es fiel dem Jesus-Christus-General gar nicht ein, seinen braven Truppen im Namen des dankbaren Vaterlandes begeistertes Lob und dergleichen zu spenden und sie einzuladen, sich doch Santiago gütigst anzusehen. Sondern er telegraphierte kurz und grob, jeder Mann, der ohne Paß in der Stadt angetroffen werde, würde vor ein Kriegsgericht gestellt und schwer bestraft werden! Das Hauptquartier telegraphierte des Ferneren, sämtliche Regimenter sollten sofort Zeltquartiere beziehen. Rund um jedes Zelt seien Abzugsgräben für das Regenwasser zu graben. Die Zeltgassen gehörig zu drainieren. Die Verpflegung der Truppen habe von nun an wieder durch die Kompagnieküchen zu geschehen. Die kommandierenden Offiziere wurden ersucht, für Reinigung der Wäsche und Uniformen ihrer Mannschaften zu sorgen. Und so weiter und überhaupt!
Die braven Regulären aber, die so gern in der Stadt des Feindes spazieren gegangen wären, fluchten abscheulich. Was wußten sie davon, daß Santiago de Cuba ein Fiebernest war mit primitivsten sanitären Verhältnissen und unmöglich als Quartier für tropenungewohnte Truppen, ehe Ströme von Karbol den Unrat weggefegt hatten! Was wußten sie davon, daß ein kommandierender General die Zügel der Disziplin fester in die Hand nimmt, ehe er eine siegesübermütige Armee in eine eroberte Stadt führt! Sie wußten nur, daß weiterkampiert wurde in Regengüssen und Sonnenbrand ——— Sie sollten nicht in wirklichen Betten schlafen können — nicht auf wirklichen gepflasterten Straßen wandeln — nicht wieder Menschen sehen, die keine Uniform trugen — nicht wirkliches Brot sich kaufen können — —
Hei — oh, wie wurde da geschimpft auf den Hügeln!