Wir schimpften mit.
Am nächsten Tag aber wandelte sich unser Schimpfen in freudige Ueberraschung. Ein Diensttelegramm befahl dem Sergeanten Souder und dem Signalisten Carlé kurz und bündig, sich sofort bei der Blockhausstation zu melden. Zum Linienlegen nach Santiago de Cuba.
Zwischen drei und vier Uhr nachmittags brachen wir von der Blockhausstation auf, der Major Stevens, ein Kabeltelegraphist von Siboney, drei Sergeanten und zwei Signalisten. In fünfzehn Minuten hatten wir den Draht vom Hügelgipfel zum Friedensbaum gespannt. An diesem Tag kümmerte sich keiner von uns darum, daß die Sonne einem glühendheiß auf den Schädel brannte und das schweißige Hemd patschnaß am Leibe klebte und der Atem in kurzen Stößen kam und ging. Vorwärts, nur vorwärts! Nach Santiago de Cuba! Wir liefen nicht mehr mit den schweren Drahtrollen, sondern wir rannten. Mir war nicht wohl zumute dabei. Aber ich pfiff auf das sonderbare Flimmern vor den Augen und die eigentümliche Schwere und Benommenheit im Kopf. Mochten sie doch rumoren, die Magenkobolde und die Fieberteufel! Ich hatte an andere Dinge zu denken. Ich hatte Eile. Wir rannten. Durch das Gestrüpp der Hügelniederung, der gelben Linie zu, die die Straße nach Santiago de Cuba bedeutete.
»Links — links!« keuchte der alte Sergeant Hastings, der neben mir lief. »Nach dem Baum dort. Und ein bißchen langsamer. Ich bin mir in meinem Leben noch nicht so ausgepumpt vorgekommen. Sie sehen übrigens extra miserabel aus!«
»Mir fehlt nichts,« sagte ich.
»Na, mir auch nicht,« brummte er, »aber ich könnte gerade nicht behaupten, daß ich jünger und gesünder geworden bin!«
Weiter — weiter. Wir arbeiteten in kleinen Gruppen von je zwei und zwei Mann. In dem offenen Gelände mußte der Draht sorgfältig von Baum zu Baum gespannt werden. Ich erkletterte zwei Bäume, und sauer genug wurde mir das Steigen, so bequemen Halt auch die vielen Aeste der Mangos boten. Ein halbes dutzendmal fehlte nicht viel und ich wäre gefallen. Nein, gesünder war ich nicht geworden!
Da tauchten bei einer Baumgruppe Gestalten in amerikanischen Uniformen auf und eine laute Stimme befahl uns, zu halten. Der Leutnant, der den Posten von fünf Mann kommandierte, kam herbei, und wir mußten einige Minuten warten, bis der Major, der weiter hinten die Linie prüfte, erschien und dem Offizier unsere Pässe vorwies.
»Die spanischen Regimenter haben die Schützengräben verlassen,« meldete der Offizier, »und kampieren auf der Straße nach Santiago entlang, links und rechts vom Weg. Sie werden binnen wenigen hundert Schritten auf das erste spanische Lager stoßen, Herr Major. Ich habe Befehl, passierenden Offizieren und Mannschaften eine Anordnung des kommandierenden Generals zu übermitteln —«