Im Kabelbureau.
Der spanische Telegraphendirektor. — Unter Dach und Fach. — Wir requirieren Wäsche. — Der wundersame Patio. — Das große Baden. — Der brauchbare Antonio. — Wir rüsten ein Mahl. — »Caballeros telegraphistas!«—»Oh, der verdammte Speck!«—»Man muß ein Loch in die Uhr schießen!«—Das Feuerrad.—Im Dunkel.
Der Lehrer der französischen Sprache an dem bayrischen Gymnasium von Burghausen an der Salzach, in dem dickschädelige bayrische Bauersöhne in glänzenden schwarzen Hosen sich die erste wissenschaftliche Reife ersitzen und leichtsinnige Münchner Früchtchen gezwiebelt werden — Monsieur würde sich gewundert haben, hätte er gewußt, daß in diesem Augenblick der hinausgeschmissene Lausbub ihn im Kabelbureau von Santiago dankbar segnete. Mein Burghausener Französisch war zwar ein grammatikalisches Gerippe nur, aber es genügte. Bei Gott, es genügte!
Wir waren im Kabelbureau von Santiago de Cuba. Der Major stand breitspurig da, biß sich auf den Schnurrbart und bemühte sich offenbar, höflicher zu sein, als ihm der Sinn stand. Ihm gegenüber tänzelte ein kleines Männchen von einem lackbestiefelten Bein aufs andere. Sie waren das Schönste an ihm, diese prächtigen Lackstiefel, wenn auch der schneeweiße Leinenanzug ihnen einige Konkurrenz machte. Das Männchen war der spanische Telegraphendirektor. Der zappelige Spanier fuhr mit wohlgepflegten, ringgeschmückten Händen beschwörend auf den Major zu.
»Ich weiche der Gewalt!« sagte er. (Auf Französisch — daher mein Segnen!)
»Es handelt sich hier nicht um Gewalt, mein Herr,« antwortete der Major in einem sehr verständlichen aber entschieden gräßlichen Französisch, »sondern um eine ausdrückliche Abmachung der Kapitulation, wonach die Telegraphenlinien vorläufig zu militärischen Zwecken von uns übernommen werden. Wo sind Ihre Beamten, mein Herr?«
Die schönen Hände beschrieben wilde Kreise:
»Sie wichen der Gewalt.«
»Dann werden Sie selbst so freundlich sein müssen, mein Herr, mir die verschiedenen Verbindungen zu bezeichnen!«
»Ich — ich — habe schriftlich ...« stotterte das Männchen und deutete auf die Tische mit den Telegraphentastern. An jeden war ein Zettel gehängt, auf dem die Verbindungen und die Anrufszeichen angegeben waren.