Da betastete mich wieder die Hand. Ein Finger legte sich auf mein Augenlid, und eine Stimme, die laut zu dröhnen schien, schrie dicht an meinem Ohr:
»Tut das weh?«
»Geh weg!« brummte ich.
Und es wurde wieder hübsch still und dunkel. Nach langer Zeit dann schien es mir, als ob meine Matratze sich bewege und aufgehoben würde und fortgetragen. Ich hörte Stimmen und fühlte helles Sonnenlicht mehr als ich es sah. Da wachte ich endlich auf und öffnete wirklich die Augen. Ich war mitten auf dem Wasser, in einem großen Boot. Deutlich sah ich den breiten Rücken des Ruderers vor mir, sah wogendes Wasser, Häusermassen, grüne Hügel in der Ferne; sah eine große gelbe Flagge über mir flattern. Diese gelbe Flagge kam mir bekannt vor. Sie war es, die das erste halbwegs klare Denken in mir auslöste.
Hm — ich wußte doch — natürlich! Gelbe Flaggen waren Krankheitsflaggen. Pest bedeuteten sie, Cholera, Gefahr der Ansteckung. Hm ja. Zu dumm. Halbbegriffen huschte mir der Gedanke durch den Kopf, daß ich also doch wahrscheinlich recht krank sein mußte. Aber — wenn man krank war, dann war man eben krank — andererseits — wie konnte man denn krank sein, wenn einem gar nichts fehlte als Schlaf? Zu dumm! Zu dumm, daß sie einen nicht schlafen ließen.
Und ich machte die Augen wieder zu.
Um nichts in der Welt hätte ich sie geöffnet, denn nun war es wunderschön still und ruhig. Leise nur und wie aus weiter Ferne hörte ich gedämpfte Geräusche, und undeutlich war das traumhafte Empfinden, daß irgend etwas mit mir geschah. Daß man mich trug — daß sie mich irgendwo hinlegten ...
Plötzlich fuhr ich empor.
Luft — Luft! Oh — der fürchterliche Schmerz im Leib! Das Brennen! Luft, zum Teufel!