Das Zeitungsbaby lernte die ersten Griffe seines neuen Handwerks ... Aber weit wichtiger als all das Praktische war der große Lebenswert, den die Zeitung wie im Spiel schenkte: Die Begeisterung für die Arbeit!
Reporterdienst.
Was der Amerikaner von seiner Zeitung verlangt. — Der scoop. — Der verunglückte Dampfer Hongkong. — Die Männer der schnellen Entschlüsse. — Wie ein Reporterstück inszeniert wird. — Auf der Jagd nach der Sensation. — Im Maschinenraum. — Wie ich die Kunst des Zuhörens ausübte. — Der Dämon im Stahl. — Zeitungskönig Hearst. — Eine Anekdote von der gelben Gefahr des Kaisers und der Hearstschen Gelben Presse. — Ein schwarzer Tag.
Das Leben des Amerikaners ist Hast und Hetze, nicht aus der Lebensnotwendigkeit der Jagd nach dem Dollar nur, sondern weil Hasten und Hetzen ihm von Kindesbeinen an gar nichts zu Beklagendes, sondern etwas Wunderschönes bedeuten. Hustle! ist sein Motto — rühr’ dich, rege dich, nütze die Zeit! Und hustling verlangt er auch von der Zeitung. Der Mann, dem riesige Wolkenkratzer, donnernder Straßenlärm, jagende Eile im Stadtbild eine Art Kulturbedürfnis sind, verlangt von seiner Zeitung viel Lärm und gewaltigen Spektakel, und die grellen Farben, die sein Auge im Tagesleben überall erblickt. Zwei Zoll hoch müssen die Ueberschriften sein und gepfeffert in kräftigen Worten, so wie seine eigene Ausdrucksweise es ist; übertrieben, wie er gern übertreibt, der Mann, der sein Land das Land Gottes nennt, anstatt bescheidentlich vom Vaterland zu sprechen wie andere Leute. Die Eile, den raschen Entschluß, das schnelle Schaffen, die in seinem persönlichen Leben rumoren, will er auch in seiner Zeitung sehen. Ihm imponiert das Bild, die Tat, die große Schilderung, das Verblüffende; weise Worte möchte er nur gelegentlich und dann mit Vorsicht genießen! Rauschendes Leben muß an seinem inneren Ohr vorbeifließen, wenn er in den weichen Polstern der Hochbahn New Yorks die Zeitung überfliegt, auf daß seine Lektüre im Einklang mit dem Taktschlag seines Tages klinge. So ist aus dem hastenden Amerikaner heraus und seiner Liebe für grelle Lichter und lauten Lärm die amerikanische Zeitung entstanden.
Ihre Dollarjagd, ihre Hetzerei, ihr Sensationsdrang.
Sieht man aber näher zu und wühlt man sich durch den marktschreierischen Wortkram der Ueberschriften und der Floskeln in den Aufsätzen, so entdeckt man erstaunt, daß hinter der brutalen Sensation eine gründliche, ehrliche, bewunderungswürdige Arbeitsleistung von ganz gewaltigen Verhältnissen steckt und zwar häufig gerade da, wo der als so leichtsinnig verschrieene Reporter gearbeitet hat. Dieser Reporter, der so gut wie die Besten die jungfrische Kraft und den Unternehmungsgeist und den Bienenfleiß des Dollarlandes repräsentiert. Er ist es, der seiner Zeitung die großen Erfolge verschaffen muß, die man in der Zeitungssprache scoops nennt. Sie allein machen Eindruck auf den modernen Amerikaner; sie allein sichern dem Blatt ein rasches Emporschnellen der Zirkulation, ein Wachsen im Ansehen.
Scoop heißt wörtlich eine große Schaufel. To scoop in bedeutet einheimsen, einschaufeln, einsacken, und im übertragenen Sinne will der spöttische Zeitungsausdruck besagen: Daß man eine hochwichtige Neuigkeit ganz für sich allein, ganz zu allererst eingeheimst, eingeschaufelt hat, während die betrübte Konkurrenz wehmütig dasteht und den kahlen Boden vierundzwanzig Stunden später nach schäbigen Resten absucht. Ich erlebte einen prachtvollen scoop beim Examiner. Und half mit dabei.