Zwei Wochen aber blieb ich noch im Aerztezelt, denn Doktor Gonzales verweigerte mir immer wieder lachend den Gesundheitsschein.


Die Wandlung war groß.

Nicht nur äußerlich veränderten sich die Dinge auf der Gelbfieberinsel: das Elend in Ueberfluß, der Schmutz in Sauberkeit, das ohnmächtige Zusehenmüssen in kraftvolles Eingreifen mit reichen Mitteln — sondern auch im Tiefsten. Die kleine Welt um uns schien anders. Es war, als liege ein gar fremdartiges, sonderbares Klingen in der Luft. Wie wiegender schmeichelnder Walzerklang.

In harter Männerwelt hatte man gelebt viele Wochen lang. Sich gebalgt mit dem Feind. Nicht viel Federlesens gemacht um Hunger und Strapazen und Wunden. Das ging einmal nicht anders. Man war marschiert und hatte gefochten — im Dreck kampiert, gefiebert auf den Hügeln — — — Der Tag brachte es mit sich. Was war weiter dabei!

Da tönte der neue Klang.

Was uns Selbstverständliches, Alltägliches gewesen war, schien den jungen Frauen, die uns pflegten, eine Wunderwelt. Sie waren freiwillige Krankenschwestern, aus guten amerikanischen Familien. Ideale Begeisterung hatte sie nach Kuba geführt, ihr Scherflein beizutragen im Krieg. Sie sahen keine Selbstverständlichkeiten; sie sahen die Dinge mit ganz anderen Augen an. Für sie waren die blassen genesenden Männer in den Zelten alle mitsammen Helden, die heldenhaft mit Tod und Teufel gekämpft hatten.

Sie setzten sich auf die Betten zu den Kranken, auf die Feldstühle vor die Zelte zu den Genesenden, und baten und bettelten so lange, bis ihnen die Geschichten von der Schlacht vom San Juan-Hügel und vom Lagerleben und vom Krankheitselend immer und immer wieder erzählt wurden. Dann glänzten ihre Augen, und sie wurden weich und wußten gar nicht, was sie einem alles Gutes antun sollten. Ich hab’s hundertmal selber erlebt und hundertmal mit angehört —

»Was mußt du gelitten haben, du armer Junge!«

»Hm — eh — ’s ist nicht so schlimm gewesen,« war gewöhnlich die verlegene Antwort.