»Meinetwegen,« grinste der Kapitän, »wenn Sie sich durchaus abschleppen wollen mit den alten Dingern. Nehmen Sie sich, so viele Sie wollen. Im übrigen ist’s gar kein Stehlen. Das verrostete Zeug ist wenig genug wert. Greifen Sie zu! Auf ein paar hundert Stück mehr oder weniger kommt’s nicht an.«
So ging ich an Land mit zwei Mausergewehren und zwei Bajonetten unterm Arm und warf sie irgendwohin im Sergeantenzelt des Signalkorps und verlebte einen langen Abend voller Erzählens mit meinen Kameraden. Die hatten mich ja für tot gehalten.
Ich konnte mich gar nicht fassen vor Erstaunen über die wundersame Zeltstadt —
»Der Soldat ist Trumpf heutzutage!« erklärte Souder lachend. »In der Armee von Kuba gewesen zu sein ist jetzt wertvoller als vier Asse beim Pokern. Menschenkind, ’s ist einfach ein Wunder, daß sie uns nicht auch noch in Watte packen!«
Mr. Soldat aus Kuba war tatsächlich Trumpf. Nicht nur die amtlichen Stellen hatten beschlossen, daß er eine Zeitlang leben sollte wie der Herrgott in Frankreich, sondern alle Welt wetteiferte obendrein, ihm gute Sachen zuzustecken. Die bösen Trusts sogar.
Ueberall in der weißen Stadt hatte die Amerikanische Tabakgesellschaft kleine Zelte errichtet, die große Plakate trugen: »Tabak für die Männer von Santiago! Kommt, Jungens, und greift zu!!« Trat man an das kleine Zeltfensterchen, so erkundigte sich ein liebenswürdiger Verkäufer so beflissen danach, was man zu haben wünsche, als sei man ein wertvoller alter Kunde. Zigaretten? Welche Sorte? Kautabak? Die neue Marke mit dem Champagnergeschmack sei besonders zu empfehlen! Pfeifentabak? Und alles war hübsch eingewickelt und auf jedem Päckchen stand: »Mit den Komplimenten der Amerikanischen Tabakgesellschaft.« Große Brauereien hatten Bierzelte eingerichtet und verschenkten ein besonders leicht eingebrautes »Krankenbier« in reizenden kleinen Flaschen — mit den Komplimenten der oder jener Brauereigesellschaft. Teufel, Teufel! Zwar taten sie’s nicht aus Liebe und Begeisterung allein, sondern es mochte auch ein bißchen Sinn für die famose Reklame dabei sein! Es gab Zelte mit Sodawasser; es gab Bonbons und Schleckereien; es gab Streichhölzer, Taschentücher, Bleistifte, Briefpapier, Briefmarken sogar — immer mit den verschiedensten Komplimenten. Auf den Briefmarken hatte der Spender seine Firma eingelocht — mit seinen Komplimenten. Mr. Soldat lebte vom Fetten des Landes.
Doch es sollte noch besser kommen, viel besser.
Am Tag meiner Ankunft war das Lager für seuchenfrei erklärt und die Sperre aufgehoben worden. Eine Stunde später verkündeten große Plakate in New York Vergnügungszüge der Long Island-Eisenbahngesellschaft zur Armee von Santiago. Um elf Uhr morgens am nächsten Tag kam die erste Invasion. Zwischen den Zelten der weißen Stadt flutete es schwarz von Menschen, dollarjagenden New Yorkern, die aber augenblicklich an gar nichts zu denken schienen, als einen Soldaten der Armee von Santiago zu erwischen und ihm die Hände aus den Gelenken zu schütteln. Fünf Minuten nach Ankunft des Zuges konnte man sich in unserem Sergeantenzelt überhaupt nicht mehr rühren, ohne einem eleganten New Yorker auf die Fünf-Dollar-Stiefel zu treten. Es regnete Zigarren, und aus den Fläschchen in den New Yorker Hüftentaschen ergossen sich schnäpsige Getränke.
»Good morning, good morning! Fine morning!!« redete ein New Yorker auf mich ein und packte meine Hand. Teufel, wie der Mensch drückte! Während ich mir noch überlegte, ob ich liebenswürdig lächeln oder ihm einen Stoß vor den Magen geben sollte, fiel sein Blick auf meine beiden Mausergewehre in der Zeltecke.
»Oh! Spanish guns!« rief er entzückt.