Und ein so großzügiges, ein so bewunderungswürdig zielbewußtes Arbeiten setzte ein auf der windumbrausten Sandfläche beim atlantischen Ozean, daß es alles wieder gut machte, was der Leichtsinn gesündigt hatte in Kuba. Mann für Mann der kranken Armee wurde betreut, gepflegt, gewaschen, gesäubert, neubekleidet wie ein Kindlein. Man stellte die Kompagnien in langen Linien auf, wenn sie vom Schiff kamen, und ließ sie sich splitternackt ausziehen und verbrannte auf großen Scheiterhaufen jeden Fetzen, den sie am Leibe getragen hatten; man badete sie, gab ihnen reine Wäsche, neue Uniformen, nagelneue Ausrüstung bis zum Tornister, erklärte ihnen, sie möchten sich um Gottes willen nur pflegen. Nichts auf der Welt hätten sie zu tun als ihre Waffen zu reinigen und instandzusetzen. Nicht einmal zu kochen brauchten sie. Dafür sorgten große Feldküchen, und Sachverständige wachten darüber, daß das Soldatenessen ja recht schmackhaft und wohlbekömmlich war. Im Land stritt man sich um die Ehre, Liebesgaben für das Gesundheitslager schenken zu dürfen. Damen der Gesellschaft zankten sich um den Vorzug, die Kranken zu pflegen.
Als das Ruderboot an einem der letzten Tage des August den Signalkorpssergeanten von der Gelbfieberinsel nach Santiago brachte, war dieser Sergeant kerngesund und wunderte sich sehr, wie ihm nach diesen Schlemmertagen das Soldatenleben wohl behagen würde. Sie hatten ihn schrecklich verwöhnt auf der Insel, der Doktor und die Frauen in Weiß, die so heroisch ihre Pflicht taten und doch immer Zeit und Lust übrig hatten für manches Gekicher und vielen Uebermut. Sie hatten dem Sergeanten gar noch einen großen Korb zurechtgepackt, in dem Schaumweinflaschen einträchtiglich neben altem Burgunder und allerlei guten Sächelchen in Blechbüchsen lagen, auf daß es Mr. Sergeant wohl ergehe auf dem Heimatsdampfer. Und ich beguckte mir gesättigt und gesund das tiefblaue Wasser und die grünen Berge über der Bai und das Städtchen mit seinen grellen Farbenflecken in rot und blau und gelb und meldete mich beim Gouverneur und empfing den Befehl, mit der »City of Galveston« noch am gleichen Nachmittag die Heimreise anzutreten — als einer der letzten der alten Armee vom Santiagotal.
Es war gerade noch Zeit zu einem kurzen Spaziergang die Plazza entlang und zu kleinen Einkäufen. Und in großer Wut schied ich von Santiago de Cuba!
Die grünen und gelben Scheine, die Billy mir geschickt hatte, knisterten so wunderschön in den Taschen, und eine Stunde nur wurde einem da gegeben, sich die Stadt zu begucken, die Stadt des Feindes, die so viele Wochen lang eine märchenhafte Vorstellung nur gewesen war! Hätte man sich da nicht einen Gaul mieten müssen und den Schlammpfad noch einmal abreiten! Die San Juan-Hügel erklettern! Sich bei der alten Zuckermühle das alte Loch betrachten, das jene Granate gerissen! Oh, zum Teufel mit dieser unanständigen Eile ... Höchst ärgerlich ging ich an Bord.
Der Laderaum des kleinen Dampfers war von oben bis unten vollgepfropft mit Waffen und Munition. Die Mausergewehre, die Bajonette, die Patronenvorräte der Kriegsgefangenen spanischen Armee wurden in das Arsenal von New York geschafft. Ein kranker Offizier, den eine Pflegerin begleitete, und ich waren die einzigen Passagiere. Als wir Long Island sichteten, fiel mir ein, daß ein Mausergewehr und ein Bajonett oder zwei recht nette Andenken sein würden.
»Sind die Dinger eigentlich abgezählt?« fragte ich den Kapitän beim letzten Mittagessen. »Ich meine, nimmt man es genau oder nicht so genau? Ich möchte gern ein paar von den spanischen Schießprügeln haben!«
»Ih wo!« antwortete der lachend. »Sie sind ja in meinen Laderaum nur so hineingeschaufelt worden.«
»Dann werde ich ein bißchen stehlen!« erklärte ich vergnügt.