Ich Esel — ich Hornochse!
Doch nicht einmal ein junger Teufel frisch aus der Hölle hätte es übers Herz bringen können, inmitten dieser überliebenswürdigen, überfrohen, übergütigen Menschen auf längere Dauer zu fluchen. Sie, die harten New Yorker mit dem harten Dollarsinn, waren in der Laune, das Hemd vom Leibe wegzuschenken. Der sentimentale Romantiker kam zum Durchbruch, der in jedem richtigen Amerikaner steckt in merkwürdigem Gegensatz zu dem rohen Kampf ums Dasein in der Neuen Welt. Kein Südfranzose, kein italienischer Heißsporn, kein spanischer Leidenschaftsmensch hätte naiver und kindlicher begeistert sein können als diese gewitzten Männer aus der matter of fact Dollarwelt. Man sah es ja förmlich, wie diese Leute ihr Hirn anstrengten, einem etwas Gutes zu tun. Wie jungenhaft einfach und natürlich sie sich gaben — wie der warmblütige Mensch hervorguckte unter der abgeworfenen kühlen Geschäftsmaske — und wie doch wieder die Gewohnheit so stark war, daß sie nur in klingender Münze begeistert sein konnten, diese Männer New Yorks. Der leiseste Vorwand genügte ihnen, mit Geld um sich zu werfen. Sie ersannen sich ständig neue Vorwände, den Wohltäter zu spielen. Und im Grunde war das heilsam für die New Yorker Dollarmenschen, denn sie begriffen nun, daß man mit dreizehn Dollars Einkommen im Monat ein ganzer Mann sein konnte! — Sie wurden daran erinnert, daß es noch andere Werte auf der Welt gab als business!!
Auf einmal aber traten die Männer in dem dunkeln Grau oder Braun oder Blau der Herrenkleidung völlig und gründlich in den Hintergrund. Die wandelnden Träume im duftigen Weiß und den leuchtenden Farben in den Zeltstraßen nahmen die Zügel in die Hand. Das duftige Weiß regierte. Die Männer waren weg. Schlanke Frauengestalten erschienen.
»Goodbye, Johnny!« hauchte ein blauer Märchenhut. »Geh und amüsiere dich, Männchen! Um vier Uhr (das war geschlagene drei Stunden vordatiert) treffen wir uns bei der Station. Weißt du, ich muß mir von den Jungens alles, alles erzählen lassen und da kann ich dich doch nicht brauchen dabei. Goodbye, Johnny!!«
Und die zweite Invasion begann.
Die zweite Form von amerikanischer Begeisterung. Diese Mädchen und Frauen empfanden erstens das Bedürfnis, diesen unglaublichen und ihnen ganz ungewohnten Helden vom Santiagotal, an deren Ohren wirkliche, echte Todeskugeln vorbeigepfiffen waren, ihre dankbare Reverenz zu erweisen. Zweitens wollten sie sich aber amüsieren. Sie saßen auf unseren Betten, wippten mit allerliebsten Füßchen.
Rische-Rasche machten die seidenen Unterröckchen.
»Hast du dich gar sehr gefürchtet in der Schlacht vom San Juan-Hügel?« fragte mich ein Dinglein in roter Seidenbluse.
»Ach nein,« antwortete ich verlogen.
»Das Schwarz und Weiß deiner Sergeantenstreifen steht dir ausgezeichnet!« meinte das Dinglein in sonderbarem Gedankensprung — sonderbar für mich — damals ...