Ich war paff.
»Was bedeuten denn die komischen Flaggen auf deinen Aermeln?«
»Weißt du,« sagte der Lausbub (das war auch ein Gedankensprung)» — — — wenn hier nicht so viele Leute wären, so möchte ich dir einen Kuß stehlen!«
»Oh pfui!!« hauchte sie. Aber ihre Augen sagten gar nicht pfui.
Es war ein Idyll. Es war eine Orgie in Begeisterung. Es war praktischer Humor ersten Ranges, wie die gutgezogenen New Yorker Männer ihre Dollarfrauen dem Flirt überließen — und ich wunderte mich mehr als einmal, ob nicht mancher gute Ehemann das verfluchte Heldentum verdammt ungemütlich empfand. Sie saßen auf unseren Betten, die Mädelchen und die Frauen, und sie naschten mit großen verwunderten Augen Soldatenessen von unseren blechernen Soldatentellern. Sie waren sehr nett. Sie küßten wohl auch einmal — in dem erhebend moralischen Bewußtsein, daß sie durchaus unpersönlich küßten. Sie küßten Helden fürs Vaterland. Die Männer wollten ihre Dollars los werden. Die Frauen ihre Liebenswürdigkeit.
Ich plauderte lange mit dem Dinglein in der roten Bluse. Das war ein kluges Mädchen. Auch sie wollte Andenken haben, aber es fiel ihr nicht im Traum ein, mit teuren Dollars zu operieren wie die Männer. Sie machte süße Augen — und drehte mir einen vergoldeten Sergeantenknopf ab. Sie machte noch süßere Augen — und holte ein Scherchen aus der Handtasche hervor, um mir kaltblütig die kostbaren seidenen Sergeantenabzeichen von den Aermeln zu trennen. Sie schenkte einen Kuß — und stopfte sich alle Taschen voller Patronen und Messingflaggen, wie wir sie an den Mützen trugen, und den verschiedenen Dingen im allgemeinen, wie sie überall umherlagen.
»Hast du denn auch ein liebes kleines Mädel?« fragte die rote Bluse.
»N — nein!« flüsterte ich, mit tiefem und ehrlichem Bedauern, denn rote Blusen und die lieben kleinen Mädchen darin schienen mir gerade jetzt etwas besonders Reizendes.
»Ach du armer Junge!!« (bums dich — war wieder ein vergoldeter Knopf weg!)»Weißt du — ich möchte sehr gut zu dir sein!«
Und da führte ich sie durch unsere weiße Stadt und zeigte ihr all die Zelte und sah sie erschauern vor der Bedeutung des riesigen seidenen Sternenbanners, das vor dem Zelt des kommandierenden Generals im Windgebrause flatterte. Erschrecklich viel Limonade trank sie. Erschrecklich viele kleine Paketchen von Tabak und winzigen Bierfläschchen und Soldatenbonbons nahm sie mit als Andenken und versprach hoch und heilig, sie in Ehren zu halten für alle Ewigkeit. Ich aber wunderte mich, wie das kleine Persönchen es fertig brachte, all die gemopsten und geschenkten Sächelchen zu verstauen. Des Rätsels Lösung fand ich nicht. Und wir verzehrten noch mehr Süßigkeiten und tranken noch mehr Limonade und gingen eine lange Nachmittagsstunde am sandigen Strand spazieren, weit von der Zeltstadt, aber keineswegs in Einsamkeit, denn wo man auch hingeriet irgendwo um Montauk Point herum, ergingen sich reizende Frauen mit den Männern der Armee vom Santiagotal. Sie mußten sich Helden nennen lassen, die armen Männer, bis sie erröteten wie Backfische.