Es war eine Orgie.

»Adieu, lieber Junge!« sagte das Dinglein bei der Station, und ich hätte darauf geschworen, daß der feine vielsagende Händedruck sieben verschiedene Wahlverwandtschaften zum mindesten bedeutete. Doch im gleichen Augenblick schoß das gleiche Dinglein in der gleichen roten Bluse auf einen mageren Jüngling in korrektem Schwarz und allerneuestem korrekten New Yorker Hut zu und warf sich, jawohl, warf sich, an seinen Hals!

»Freddy,« jubelte sie — »ach, du lieber guter Freddy, es war ja so süß!«

Da begriff ich, daß ich im Erleben der roten Bluse eine ganz gewöhnliche Episode war. Ein Röhrchen war ich, ein lächerliches Sicherheitsventil, eine mechanische Vorrichtung, dem Hochdruck der Begeisterung der amerikanischen Frau Luft zu verschaffen. Er wäre sonst gefährlich geworden.

»Du verflixter kleiner Fratz!« murmelte ich.


Es dauerte aber gar nicht lange, so erreichte der Hochdruck der Begeisterung in Amerika das überspannte Stadium. Es wurde allerorten und in allem gewaltig übertrieben im Siegesjubel. Man war wie ein glücklicher Spieler, der im ersten Taumel des Gewinnens nicht weiß was tun vor Freude und links und rechts mit vollen Händen die Goldstücke hinausschleudert. Ein solches Schleudern war es im Dollarland damals!

Und bald wurde das echte, starke, wahre Gefühl der Begeisterung zum sentimentalen Gefühlskitsch.

Die Frauen vor allem machten lächerliche Dummheiten.

Eine Flutwelle der Hysterie ergoß sich über das Yankeeland. Zuerst natürlich erreichte die Welle das nahe New York. Die Zeitungen berichteten, lächelnd anfänglich, dann entrüstet, daß mit den Jungens in Blau eine Abgötterei getrieben werde, die in ihren Formen schon ein Unfug genannt werden müsse!