»Mann! Bringe mir heute abend zehn Helden zum supper!« befahl die New Yorker Ehefrau. Und Mr. Ehemann, wohldressiert von Kindesbeinen an, ging los, ob’s ihm nun besonders gefiel oder nicht, und gabelte gehorsam zehn Helden auf. Frisch von der Straße weg.
Heidi, es war lustig!
Mrs. Ix, die New Yorkerin und Milliardärin, gab schleunigst einen Soldatenball. Mrs. Ypsilon, gleichfalls Milliardärin, trumpfte über und erließ prestissimo die Einladungen zu einem Sergeantenball, bei dem es märchenhaft wohlhabend herging. Mrs. Zett, auch sie natürlich Milliardärin, fuhr von morgens früh bis abends spät mühsam überredete Helden in ihrem vornehmen Landauer in den Straßen New Yorks spazieren. Die großen Blumengeschäfte erhielten Anweisungen von Damen der Gesellschaft, jedem Soldaten Blumen zum Begeisterungsgeschenk zu machen — was reizend gewesen wäre, wenn die gütigen Spenderinnen nicht gar so deutlich dafür gesorgt hätten, daß ihre Namen in allen Zeitungen und an allen Blumenladenfenstern recht laut und kräftig in Erscheinung traten.
Die nervöse Welle lief weiter — wuchs an. In Washington wurde sie zur Sturmflut.
Eines Tages meldete sich in der Stadt des Kapitols ein junger Leutnant beim Marineminister. Er hieß Hobson und war ein Held. Hatte mannhaft Leib und Leben darangesetzt mit offenen Augen und war nur wie ein Wunder dem Tode entgangen, als er in der Santiago-Felsenenge den Merrimac in die Luft sprengte. Nun war der junge Leutnant der Held des Tages in Washington. Seine Kommandeure, der Marineminister, der Präsident der Vereinigten Staaten überschütteten ihn mit Glückwünschen und Danksagungen. Man gab einen Ball zu seinen Ehren.
Und damit fing das Unglück an.
Als Hobson den Ballsaal betrat, schritt eine junge Dame der Washingtoner Gesellschaft auf ihn zu, überreichte ihm einen großen Blumenstrauß und bestätigte ihm in wohlgesetzten Worten, daß er ein Held sei und sein Name unvergänglich auf den Tafeln des Vaterlandes leuchten werde. Dann kam ihr besonderer Dank. Im Namen der amerikanischen Frau; im Namen der fraulichen Gesamtheit; im Namen der Weiblichkeit:
Schlanke, weiße Arme legten sich um des Leutnants goldbestickten Uniformkragen und ein amerikanischer Frauenmund küßte ihn lang und innig.
Vor versammeltem Mannsvolk und bewundernder Frauenschar.