»Der Leuchtturmwärter von der Goldenen-Tor-Station telephoniert, er habe soeben den Dampfer Hongkong der San Franzisko-China-Linie gesichtet. Der Dampfer werde von einem kleinen Honolulu-Trampdampfer eingeschleppt. Sie alle wissen, daß die Hongkong überfällig ist. Um was es sich handelt, läßt sich ja allerdings noch nicht sagen. Mr. Lascelles, ich habe zwei Schleppdampfer beordert —«
»Weshalb zwei?«
»Wir haben Eile. Ich möchte vorschlagen, daß wir die Nachmittagsausgabe zwei Stunden früher erscheinen lassen mit zwölf bis zwanzig Spalten Hongkong an erster Stelle. Ich persönlich bin dafür, alles andere Lokale hinauszuwerfen. Nur Hongkong, wichtige Politik, Börse, Vermischtes. In zwei Stunden frühestens hat der »Call« die Nachricht von den Behörden, auf jeden Fall aber nach uns. Selbst wenn es sich nur um eine Stunde oder auch eine halbe Stunde Differenz handeln sollte, so haben wir doch Vorsprung, und die Leute vom Call kommen sicher nicht auf den Gedanken, daß wir zwei Stunden früher erscheinen könnten!«
»Teufel — das können wir aber doch nicht, Mac!«
»Ich meine, es müßte eben gehen,« sagte Allan McGrady nachdenklich. »Wir lassen die Setzer und die Maschinenleute der Nachtschicht holen. Was Manuskript anbetrifft, so soll der zweite Schlepper die ersten Nachrichten übermitteln, sobald es nur irgendwie geht, und der Rest muß eben auch im Handumdrehen da sein — ich kann mich auf meine Leute verlassen.« (Es geschah sehr selten, daß McGrady dergleichen sagte, aber wenn es geschah, so hätten wir uns in Stücke zerreißen lassen für ihn!!)
»Die Möglichkeit des Gelingens ist da,« antwortete Lascelles rasch. »Allright, Mac. Disponieren Sie. Sie wissen, daß wir gute tausend Dollars Extraausgaben riskieren und der alte Mann uns die Hölle heiß machen wird, wenn die Sache schief geht. Verfrühte Ausgabe also. Wissen Sie was? Es ist neuneinhalb Uhr. Um zwölf Uhr, oder sagen wir halbeins, lassen wir ein Extra verteilen: Die Hongkong hilflos eingeschleppt. Eines der größten Schiffe der kalifornischen Chinalinie mit knapper Not dem Untergang entgangen. Eine Tragödie der See. Siehe ersten Bericht im Nachmittags-Examiner. Oder so ähnlich ...«
»Ausgezeichnet!« sagte Mc Grady. »Wenn wir den Anschluß erwischen, ist es eine große Sache. Meine Herren, der gesamte Stab geht auf den Schleppdampfer mit Ausnahme von Hayes. Hayes — weinen Sie nicht, Sie haben schwierige und verantwortungsvolle Arbeit genug; Sie müssen auf die Frisco-China-Linie und zu den Versicherungsgesellschaften. Orders kann ich Ihnen kaum geben, meine Herren. Ferguson als der Aelteste wird disponieren. Nur ganz allgemein: Wir wenden die natürliche Methode an. Die Ereignisse werden photographisch geschildert. Die Schilderung beginnt von dem Augenblick an, in dem Sie den Schleppdampfer betreten. Diesen ersten Teil soll Ferguson machen. Hetzfahrt und so weiter. Die Hongkong wird gesichtet — Beschreibung, bitte, wie der Kasten aussieht — man klettert an Bord« — (er lachte) »und wenn einer der Herren dabei ins Wasser fallen sollte, wär’ das eine schöne Sache —«
Schallendes Gelächter.
»— und wenn einer der Herren so gütig sein würde, dabei im Dienste des Examiners zu ertrinken, so wär’ das noch viel schöner vom Zeitungsstandpunkt aus!« (Das war Macs gruselige Art von Humor.)»Passagiere schildern also — sie interviewen — Kapitän, Offiziere interviewen — sehen, was los ist — sperrt sich der Kapitän, so wird ihm unter die Nase gerieben, daß der Examiner und die Öffentlichkeit sich nicht bluffen lassen — die Wahrheit kommt doch an den Tag. Los, meine Herren! Ich bitte mir aus, daß flott gearbeitet und beim Schreiben auf der Heimfahrt keine Zeit an stilistische Künsteleien verplempert wird. Das nötige Zurechtdeichseln besorgen Lascelles und ich hier auf der Redaktion. Los!«
»Einen Augenblick!« rief Lascelles. »Zeitungen mitnehmen! Ist gute Reklame. Die Passagiere werden sich freuen, nach sechzehn Tagen wieder eine Zeitung aus dem Lande Gottes zu sehen!«