Er lachte. »Es ist nett von Ihnen, mir das Unmögliche zuzutrauen. Ich könnte mir jedoch mit der gleichen Aussicht auf Erfolg es in den Kopf setzen, heute abend um sechs Uhr Präsident der Vereinigten Staaten sein zu wollen. Mann, Sie ahnen nicht, was es bedeutet, Kriegskorrespondent zu sein. Da schickt man die Auserlesensten der Auserlesenen hin. Leute von unermüdlicher Tatkraft, glänzende Federn — Männer, die in jeder Lage einen Ausweg zu finden wissen — Männer mit militärischen Kenntnissen ersten Ranges — ach du lieber Gott. Gibt es da unten wirklich ernsthafte Kämpfe, so sind die Hälfte der Kriegskorrespondenten für den Rest ihres Lebens gemachte Männer. Die Namen der Glücklichen — Glück gehört auch dazu! — werden beinahe so berühmt werden wie diejenigen der siegreichen Generale. Schlagen wir’s uns aus dem Kopf, mein Junge! Für unsere Zeitungen gehen selbstverständlich Davis und McCullock nach Kuba, kommt es so weit; Davis, der ein großer Schriftsteller und Hearsts Freund ist, und McCullock, der beim tollen Mullah im Sudan war! Das ist gar keine Frage!«
Da trat Lascelles ein.
»Good morning, Mac!« rief er. »Denken Sie mal, der Teufel ist endlich los! Washington telegraphiert die Mobilmachung der National Guard! Bedeutet natürlich, daß Onkel Sam nach Kuba marschiert. Und ich würde drei Finger drum geben, stände ich in McCullocks Schuhen!!«
Mac blinzelte mir zu.
Als wolle er sagen: »Siehst du! Da ist noch einer! Einer, der schon hoch geklettert ist auf den Sprossen der Zeitungsleiter und trotzdem das nicht erreichen kann, was du dir in den dicken Schädel gesetzt hast. Du blutiger Anfänger ... du!!«
Ich schlich mich fort. Miserabel schlecht arbeitete ich an jenem Tag, denn in meinem Kopf rumorte und lärmte und hämmerte es: Kuba — Kuba — Krieg ...
Kreuz und quer lief ich durch das flaggengeschmückte San Franzisko. Unter aufgeregten Menschen, die von nichts sprachen als vom Krieg und von Kuba. Teufel — Teufel — — Und immer lauter rumorte in mir das trotzige blinde Wollen des Augenblicks, wie es noch hundert Male rumort hat in meinem späteren Leben, zum Glück manchmal, manchmal zu meinem Unglück. Später, wenn man die wirkliche Kraft gefunden und sich rückschauenden Humor eingefangen hat, denkt man gern an solche Augenblicke der Tollheit. Hat man sie doch auf Heller und Pfennig bezahlt in der Münze des Lebens und das Recht auf fröhliche Erinnerung erworben, mag auch die Vernunft sich wehren mit ihrem: Es wäre doch besser gewesen, wenn ...
So lief ich umher in den Straßen.
Einem neuen Spielzeug nach, das hüpfende Teufelchen vor mir baumeln ließen und das ich nicht erhaschen sollte und das vielleicht nur deshalb so begehrenswert schien. Die Sehnsucht gestaltete sich zur fixen Idee. Sie wurde zum harten Wollen.