Ich aber dachte: »Der Narr bist du, guter alter Ferguson. Du mußt in San Franzisko bleiben — und ich gehe nach Kuba!«
Das Sternenbanner auf dem Wege nach Kuba.
Der Krieg des Leichtsinns. — Aus Leutnants werden Majore. — Eine kleine Vergeßlichkeit. — Segenswünsche und Vorschußlorbeer. — Von lieben diebischen Mägdelein. — Die Armee in Hemdärmeln. — Das militärische Telegraphenbureau in Tampa. — Die spanische Gespensterflotte. — Admiral Cervera in der Falle von Santiago de Cuba. — Die Depeschenhölle. — Roosevelts Rauhe Reiter ohne Gäule! — Auf dem Meer. — Eine schwäbische Ueberraschung. — Von redenden Tuchfetzen und sprechenden Wolken. — Nachtalarm. — Beginn des Bombardements von Baiquiri.
Das Kriegsfieber schüttelte Amerika.
Ein guter Mann, so sagen kluge Frauen, muß wie ein Kind sein, in seinem Tiefsten, Innersten, Wahrsten. Unter der männlichen Oberfläche, die in der Welt draußen ein einheitliches Gefüge von Kraft und Arbeit scheint, versteckt sich das große Kind mit dem Lachen und Weinen des Kindes, dem aufstampfenden Trotz und der Weichheit, dem Begehren nach Spielzeug, dem begeisterten Haschen nach allem Neuen, dem Leichtsinn, den Ungezogenheiten. Dies Kindsein liegt tief in der Natur der Männer des amerikanischen Reichs; tiefer als in irgend einem anderen großen Volk. Das Draufgängertum, das Jungfrische, das Kindliche. Die Männer, die später die Kosten des Panamakanalbaus um die Kleinigkeit von 500 Millionen unterschätzten, weil sie viel zu begierig nach dem neuen Spielzeug waren, sich bei langweiligem Rechnen lange aufzuhalten, sprangen mit gleichem Unbekümmertsein in Kriegstrubel und Kriegsgefahr.
In Tagen wurde eine Armee aus dem Boden gestampft. Der Miliz mit ihrem ausgezeichneten Menschenmaterial fehlte es an Offizieren. Da beförderten die amerikanischen Kinder ganz einfach fast jeden Offizier der regulären Armee um einen, zwei, oft drei Grade, machten die Leutnants zu Majoren, die alterfahrenen Sergeanten zu Leutnants, und steckten sie in die Milizregimenter. Die Glückssoldaten holte man herbei, die in den südamerikanischen Revolutionen Truppen geführt und Pulver gerochen hatten. Ein Roosevelt pfiff auf sein Ministerportefeuille und wurde aus dem Unterstaatssekretär der Marine ein einfacher Reiteroberst, der Rauhe Reiter warb. Zeltlager erstanden überall im Land. Millionen von Goldstücken wurden mit vollen Händen hinausgeschleudert, den Kriegsbedarf über Nacht zu schaffen. Es fehlte an Torpedojägern, an Depeschenbooten. Da kaufte man für Unsummen die schnellsten Hochseeschlepper und die flinksten Privat-Yachten der amerikanischen Häfen, armierte sie mit Geschützen — und die Flottenergänzung war fertig. Man verschwendete Millionen an die Ausrüstung der Invasionsarmee — und die großen Kinder vergaßen ganz, ihr auch nur eine einzige Feldbäckerei, eine einzige Kaffeemühle zu beschaffen. Schiffszwieback, fetten Chicagospeck, ungebrannten Kaffee gab man ihr mit als Tropenkost! Hätten die Kämpfe um Santiago nur drei Wochen länger gedauert, so wäre auch der letzte Mann von Zwanzigtausend von der Speckruhr gepackt worden. Die leichtsinnigen Kinder, die sich auf die deckende Macht an Menschen und Gold ihres Landes verließen, rechneten ja gar nicht damit, daß der Feldzug länger als einige Wochen dauern könnte. Gelandet — gesiegt — die Spanier über den Haufen geworfen! So rechnete man! Beinahe — beinahe — wäre es anders gekommen!
Ein Krieg des Leichtsinns und des Optimismus.
General Shafter, der kommandierende General des Departements der pazifischen Küste, war zum Höchstkommandierenden der Invasionsarmee ernannt worden. Mein Oberleutnant Green zum Oberst und Chef des Signaldienstes. Zwölf Stunden nach Eintreffen der Marschorder zogen der Stab des Kommandierenden und das erste Infanterieregiment durch das flaggenwimmelnde, jubelnde San Franzisko, und auf der Southern Pacific ging es gen Süden und Osten, vom Stillen Ozean zum Atlantischen Meer, nach Tampa in Florida. Dort konzentrierte sich die Invasionsarmee.