Seine Abschiedsgrüße mußte uns der lachende Kapitän nachschreien, in solch lächerlicher Geschwindigkeit sausten wir auf Deck und übers Fallreep in das längst wartende Boot — — —

Auf der Segurança gab uns Oberst Green seine Anweisungen:

»Vier Kilometer östlich von hier ist,« so erklärte er ungefähr, »von der Marine das Haitikabel aufgefischt und die Verbindung mit Washington hergestellt worden. Telegraphisten der Marine sind dabei, die Linie unter Benützung der alten spanischen Leitung hierher zu verlängern. Den Kabeldienst übernehmen Kabelexperten. Unsere Aufgabe ist es, telegraphische und telephonische Verbindung mit der Vorpostenlinie herzustellen. Im Einzelnen habe ich euch nur zu sagen: Ich verlasse mich auf jeden von euch. Wir werden schwere Arbeit haben. Ihr werdet ganz selbständig arbeiten müssen. Eure Befehle erhaltet ihr über den Draht. Offizieren der Truppen werdet ihr im Notfalle sagen, daß ihr strengsten Befehl habt, Anweisungen nur von euren Signaloffizieren entgegenzunehmen. Depeschen dürfen nur angenommen werden, wenn der aufgebende Offizier, ganz gleichgültig welchen Ranges, sie schriftlich gibt und unterzeichnet. Mündliche Nachrichten werden unter keinen Umständen weder über den Telegraphen noch übers Telephon befördert. Kommandierenden Offizieren, denen ihr begegnet, werdet ihr melden, der Chef des Signaldienstes lasse sie bitten, dafür zu sorgen, daß die Truppen die Drähte nicht beschädigen. Das wäre alles. Noch eins — ich verbitte mir jede überflüssige Schießerei! Dazu seid ihr nicht da!«

Da kam sich der Lausbub kolossal wichtig vor.


Die See ging hoch, und längs des Strandes hatte sich eine ungemütliche Brandungslinie entwickelt. Unsere Boote wurden umhergeschleudert, als wären sie Eierschalen. Geradeaus am Strand zu landen war unmöglich. So mußten wir uns der alten Landungsbrücke bedienen, und die lag gute zwei Meter über dem Wasserspiegel. Es war jedesmal ein Kunststück, sich von dem stampfenden Boot emporzuschwingen. Stunden brauchten wir, um die Hunderte von schweren Rollen dünnen isolierten Kupferdrahtes an Land zu schaffen, die Telephone, die kombinierten Telephon-und Telegraphenapparate, die Trockenbatterien, die Flaggen. Ein unbeschreiblicher Wirrwarr herrschte am Strand. Ueberall waren Säcke, Kisten, Munition aufgestapelt, und zwischen diesen Bergen von Kriegsmaterial rannten aufgeregte Offiziere umher, die den Proviant für ihre Schwadronen und Kompagnien haben wollten. Wir errichteten sofort dicht am Strand die Telegraphenstation mit einer Hauptbatterie und waren kaum fertig mit Zeltbauen und Aufstellen des Apparats, als urplötzlich die Dunkelheit hereinbrach und weiteres Arbeiten unmöglich machte. Mit der Dunkelheit kam Regen. Nein, nicht Regen — der Ausdruck ist viel zu schwach — sondern ein Wolkenbruch. Nein, nicht ein Wolkenbruch. Sondern es regnete, wie es in den Tropen regnet. Das waren nicht Wassertropfen, sondern dicke Wasserschnüre, Schnur an Schnur.

Souder und ich hatten vorher schon unser winziges Soldatenzelt aufgebaut, von dem er die Hälfte trug und ich die Hälfte, und kamen uns sehr schlau vor, als wir bei den ersten Tropfen schleunigst unter Dach krochen. Aber ach — was war ein Zelt gegen diese Wassermassen! Der angeblich wasserdichte Segeltuchstoff gab nach einer Minute schon den hoffnungslosen Widerstand auf ...

»Teufel — rück’ ein wenig!« schrie Souder. »Mir läuft ein Bach, ein richtiger, gesegneter Bach, am Hals herunter!«