Und im gleichen Augenblick war er zu mir hineingeklettert, so entrüstet ich auch protestierte, und seine patschnassen, schwerbestiefelten Füße suchten sich mit göttlicher Ungeniertheit ihre Ruhepunkte in der Gegend meiner Ohren. So lagen wir und rauchten noch lange nassen Tabak aus nassen Pfeifen. Ach, was waren das für schöne Zeiten! Täte ich heute dergleichen, so würde ich mir wahrscheinlich keuchenden Husten, eine schwere Bronchitis und eine tödliche Lungenentzündung holen. Ach, was waren das für schöne Zeiten!!
Die Kavallerieschwadron im Dickicht nebenan leistete auch für uns die Dienste einer Weckuhr.
I can’t get ’em up,
I can’t get ’em up,
I can’t get ’em up in the morning!
»Sie stehen nicht auf, sie stehen nicht auf, sie stehen nicht auf des Morgens ...«
»Heiliger Moses!« keuchte Souder, als er hinplumpste.
»Großer Cäsar!« schrie ich und kollerte neben ihn.
Denn steif wie ein Stock war der eine wie der andere, er und ich; kaum bewegungsfähig, wie nässeverschimmelt, wie verrostet. Die Kleider mußten getrocknet sein über Nacht, aber sie waren schon wieder feucht und klebrig geworden im Morgentau. Wir stampften umher und stellten mit inniger Genugtuung fest, daß in nächster Nachbarschaft noch vierzehn andere Gestalten täuschend ähnlich schwankten und stampften, der Major darunter so gut wie der Leutnant. Geteilte Unbequemlichkeit ist halbe Unbequemlichkeit. Wir sahen freilich nur die Oberkörper der Gestalten. Ihre Beine sahen wir nicht. Die ahnten wir nur. Sie steckten wie auch die unsern in den dickgelben Schwaden des Bodennebels, aus dem stickige Moderluft heraufdrang, übelriechend, boshaft, giftig — in Rauch aufgelöste Pestilenz. Da kroch über das struppige Buschwerk ein glühendroter Fetzen Sonne —
»Wer — hat — eine Kaffeemühle?« schrie der alte Sergeant Hastings.
»Deine Großmutter — zu Hause!« war Souders prompte Antwort.
Aber das Lachen verging ihm bald, als wir selbander unsere Brotsäcke und Tornister untersuchten und entsetzt den breiigen Inhalt beguckten. Die hochfeinen sandwiches des guten Schwabenkapitäns hatten sich in ihre Moleküle aufgelöst — in Brei — Brei — fleischfaserigen Brei. Doch ein hungriger Magen macht erfinderisch, und wir gingen zum Bach. Der Brei schwamm fort. Als Niederschlag blieb, was sonst noch im Brotsack geblieben war: die vier Pfund fetten Specks der eisernen Ration, ihre zwei Dutzend Schiffszwiebacke, die selbst eine Nacht im Brei nicht hatte erweichen können, und ihre grünen Kaffeebohnen, ein halbes Pfund. Salz und Zucker dagegen waren beim Teufel. Wir nahmen unsere Feldbratpfanne, rösteten vorerst den grünen Kaffee über offenem Feuer (es wurde nichts Rechtes!) und unterhielten uns dabei gegen alle Disziplin darüber, wer wohl der verantwortliche Schafskopf sein könne — verantwortlich dafür, daß einer eisernen Ration grüne, ungeröstete Kaffeebohnen beigegeben wurden! Mit dem Rösten ging es ja noch halbwegs. Aber die Kaffeemühle! Der verantwortliche Schafskopf hatte obendrein vergessen, der Armee auch nur eine einzige Kaffeemühle mitzugeben! Souder zerklopfte kurzentschlossen seine Bohnen im Blechtopf mit einem Stein, und ich mußte anerkennen, daß es einen besseren Ausweg nicht gab. So bereiteten wir vier Wochen lang das unentbehrliche Getränk eines Soldaten im Krieg — wir und die gesamte Armee! Wenn die Flüche, die damals auf den commissary general, den Chef des Armeeverpflegungswesens, herabgeflucht wurden, wörtlich in Erfüllung gegangen wären, so hätten zwanzigtausend separate Teufel ihn siebenmal zwanzigtausendmal separat holen müssen ... Wir brieten uns Speck. Wir zerbissen die infam harten Zwiebacke.