»Nein, mein Sohn. Weiß ich. Nebenbei bemerkt gibt es keinen Menschen, der unter Schrapnellfeuer nicht Angst haben würde. Und weiterhin nebenbei bemerkt sind wir nach meiner Karte in einer Viertelstunde aus dem Busch heraus. Well — haben Sie eigentlich Tabak? Ich muß vorhin mein Etui verloren haben —«

In Bächlein rannte der Schweiß an uns herab, und ich war kaum weniger naß als nach dem Wolkenbruch in der Nacht vorher. Wir segneten den schlauen Major und seine Karre aus dankbaren Herzen und schmissen alles, was nicht niet und nagelfest war, auf das Vehikel; Brotsäcke und Röcke und Tornister und Wolldecken und Telegraphenapparate. Aber es war noch immer zu heiß. Einer machte den Anfang, als wir einmal hielten und Luft schnappten, und die andern machten es ihm schleunigst nach: Ein schamhaftes Verschwinden hinter einen dicken Baum! Und — Strümpfe? Ueberflüssig, weg damit. Unterhemd? Lächerlich, weg damit. Unterhosen? Unglaublich bei dieser Hitze, weg damit. Jetzt war uns wöhler! Instinkt hatte uns wie zwanzigtausend anderen Simplizität in der Vereinfachung der Felduniform gelehrt, die in Zukunft aus Stiefeln, Gamaschen, Reithose, blauem Flanellhemd, Schlapphut bestand, und sonst aus nichts. Das war genug und übergenug! Viele von den Offizieren ließen sich die Schulterstreifen aufs blaue Flanellhemd nähen ... Nur keinen Rock in dem Backofen!

Jeder einzelne Mann tat sein Bestes. Sicherlich stellte es eine respektable Leistung dar, beim Linienbauen die marschierenden Truppen weit zu überholen. Der Draht funktionierte ausgezeichnet. Wir setzten uns jede halbe Stunde in Verbindung mit Leutnant Burnell in Baiquiri, der uns an Neuigkeiten meldete, daß der Hauptlandungspunkt von nun an Siboney sei, wenige Kilometer westlich von Baiquiri. Er lasse zwei Mann zum Stationsdienst zurück und werde mit den übrigen von Siboney eine Drahtlinie zum Kreuzungspunkt der beiden Straßen bei La Quasina legen.

Da weitete sich das Weglein, und der Busch wurde niedriger, dürftiger, bis plötzlich der Schlick des Pfades sich in weichen Moosboden verwandelte. Rings um uns reckten sich schlanke braune Stämme mit fächerigen Wipfeln empor; ein Hain von Kokospalmen.

»Teufel!« sagte Major Stevens.

»Tausend Teufel!« — sagten wir ...

Denn die luftige Schönheit machte auf uns nicht den geringsten Eindruck, sintemalen sie schwere und langwierige Arbeit bedeutete. War es doch nun vorläufig zu Ende mit dem wunderschön bequemen und schnellen Aufwerfen des Drahts auf den dichten Busch. Den Draht einfach auf den Boden zu legen, ging nicht. Die nachmarschierenden Truppen hätten ihn zertrampelt, zerrissen. Und nicht einmal Klettereisen hatten wir!

»Nun, dann klettern wir eben so!« sagte der Major. »Souder, holen Sie mir doch aus dem Baum da ein halbes Dutzend Kokosnüsse — und Sie, Hastings, telegraphieren, bitte, dem Leutnant Burnell, daß wir frische Kokosmilch trinken und lebhaft bedauern, ihn nicht einladen zu können.«