Woraus hervorgehen mag, daß wir nicht etwa letztwillige Verfügungen trafen und uns gegenseitig letzte Lebewohlbriefe an unsere Bräute anvertrauten, wie das in frommen Bilderbüchern von Soldaten vor der Schlacht berichtet wird, sondern daß wir uns einfach bodenlos freuten — wie kleine Jungens, denen die Mama gesagt hat: »In fünf Minuten dürft ihr auf die Straße und Indianer spielen!«
Die tief heruntergebrannte Pechfackel loderte. Auf dem schlammigen Weglein draußen zog es immerwährend, ohne Aufenthalt, vorbei von Männern, so müde, daß sie gebeugt schritten. Regiment auf Regiment passierte. Mann hinter Mann, so schmal war der Pfad. Graubärtige Obersten — Rekruten mit Kindergesichtern. Bodenlos war das Weglein geworden, und die Füße der keuchenden Menschen machten bei jedem Schritt und Tritt ein merkwürdig plumpsendes, saugendes Geräusch, wenn sich die Stiefel aus dem zähhaltenden Schlick befreiten.
Regiment auf Regiment zog vorbei, dem Feind entgegen.
Die Schlacht vom San Juan Hügel.
Der Morgen der Schlacht. — Ein Schattenspiel im Nebel. — Die Schlacht beginnt. — Wir legen die Linie nach der Front. — Meine erste Granate. — Wie ich das Gruseln lernte. — Wie andere das Gruseln lernten. — Auf dem Weg zur Feuerlinie. — Die Furt. — Die Panik des 71. Regiments. — In der Feuerlinie am Waldrand. — Wir schießen mit. — Die Schützengräben im San Juan Hügel. — Der Gnadenschuß. — Der Angriff ohne Befehl. — Der San Juan Hügel wird im Sturm genommen. — Zusammenhänge der Schlacht. — Bei den spanischen Gefangenen. — Rum und Zigaretten. — Am Lagerfeuer. — Sie begraben die Toten.
Die Nacht ging zu Ende. Graugelbe Bodennebel flossen über die Lichtung hin, in wellender, wogender Masse, wie Wasserfluten sich übers Land ergießen. Menschen und Zelte standen auf einem Nichts; auf dampfigem, zitterigem, schwadigem Rauch. Es war bitter kalt. In tiefer Stille lag das Hauptquartier, in dumpfes, nächtliches Grau noch gehüllt. Gleich trüben Schatten die Zelte. Totenstill war es. Nur in dem mächtigen gelben Fleck dort bei dem großen Mangobaum, dem Zelt des kommandierenden Generals, war schwaches Licht und lautloses Leben. Gespenstisch leuchtete dort Kerzenschein durch die Zeltwände, immer wieder unterbrochen von einem Schatten. Da drinnen ging ein Mann auf und ab in rastlosem Hin und Her.
Das war General Shafter.