Ich stolperte über Stacheldraht, fiel, sah, wie der Major und Souder wenige Schritte neben mir ebenfalls stürzten, griff in den Draht und riß mir die Hände blutig, kam frei, sprang wieder vorwärts. Neben mir Souder und der Major. Da, ganz in der Nähe, ragte es grasig steil auf, und braune und blaue Flecke krabbelten an Händen und Füßen empor; — da — brüllendes Geschrei ertönte, und vorwärts ging es mit den anderen.

In Grasbüschel krampften wir uns ein, und das niedrige Gestrüpp packten wir und schoben und zerrten uns hoch. Plumps — fielen wir in einen Schützengraben, fluchten, kletterten wieder —

und waren oben ...

Unten lag ein Tal voller Gestrüpp, und zwischen dem Gestrüpp sah ich zwei, drei weiße Hüte auftauchen, weit weg, und feuerte blindlings hinterdrein — — — auf die einzigen Spanier, die ich überhaupt deutlich zu Gesicht bekommen hatte!

»Lassen Sie die Schießerei!« sagte der Major. »Wir haben hier überhaupt nichts zu suchen und hätten gar nicht mitmachen dürfen. Jetzt aber ist es höchste Zeit, an unsere Pflicht und unsere Station zu denken!! Warten Sie hier auf mich!«

So wurde die Schlacht vom San Juan-Hügel gewonnen. Nicht von einer Armee, nicht von Regimentern, nicht von Kompagnien einmal, sondern von einem Haufen, nein, von Dutzenden von Häuflein einzelner Männer, denen das anscheinend ergebnislose Schießen aus der Schützenlinie auf die Nerven fiel. Dazu kamen die schweren Verluste, gegen die man wehrlos war. Ich bin überzeugt, daß der arme Teufel mit dem zerschossenen Unterleib, der schreiend in seiner Qual vor der Front hin und her taumelte, sein gut Teil zu dem Siege beigetragen hat, zu dem mühelosen Siege, denn jenes anscheinend so tollkühne Anstürmen gegen den Hügel kostete nur wenige Menschenleben, so aufregend es war während der kurzen zehn Minuten des Vorwärtsjagens. Von einzelnen Männern wurde der Hügel genommen. Eine Feuerleitung existierte nicht, noch irgendwelche höhere Führung, in der entscheidenden Phase. Nicht aus Mangel an Disziplin, denn bei den Regulären wenigstens war die Disziplin vorzüglich, sondern aus Mangel an Geführtwerden. Gab es doch überhaupt keine Verbindung zwischen den einzelnen Verbänden. Man hatte sorglos Regiment auf Regiment in den engen Waldweg hineingestopft ohne eigentlichen Plan, und in natürlicher Notwendigkeit lösten sich die Regimenter sofort in kleine Trupps auf, als sie in die Feuerzone des schwierigen Terrains kamen, nach langem hilflosem Beschossenwerden im Urwald. Von da aus arbeitete sich eben Trupp für Trupp und Häuflein für Häuflein vorwärts; in echt amerikanischer Neugierde und in echt amerikanisch leichtsinnigem Selbstvertrauen. Jeder Mann fühlte sich als »weißer Mann« und Amerikaner von vornherein mindestens zwei Spaniern, zwei »Dagos«, gewachsen. Ein Spanier ist ja für den echten Sohn Onkel Sams nur drei Schattierungen besser als ein Chinese. Ein verachteter dago. Die moralische Ueberlegenheit war da; leicht genug einem Feind gegenüber, der sich auf die Defensive beschränkte und seine Sache für eine verlorene zu halten schien.

Diese Ueberlegenheit, und nur sie, gab den Ausschlag.

Die spanische Verteidigungslinie auf den Hügeln mit ihren vorzüglich angelegten Schützengräben war ganz ausgezeichnet und uneinnehmbar, wären Männer gleichen Selbstvertrauens es gewesen, die sie besetzt hätten. Der Spanier verfügte obendrein über ein besseres und schnellerfeuerndes Gewehr als es das dänische Krag-Jörgensen auf der amerikanischen Seite war, das deutsche Mausergewehr — er kannte alle Entfernungen — alle Vorteile waren auf seiner Seite. So siegte nur selbstvertrauender Leichtsinn in diesem exotischen Krieg des Leichtsinns. Die Schlacht vom San Juan-Hügel gewannen schneidige, leichtsinnige Jungens, die, auch die Regulären nicht, keine wirklichen Soldaten im modernen Sinne darstellten trotz aller persönlichen Tüchtigkeit, denn sie wurden nicht geführt wie Soldaten. Erst lange nach der Entscheidung griffen die ordnenden Hände höherer Führer ein.

Im Hauptquartier herrschte furchtbarer Wirrwarr.