Gegen den Willen des Höchstkommandierenden eigentlich wurden die Einzelkämpfe jenes Tags gekämpft und durchgeführt, dem die Kriegsgeschichte den Namen der Schlacht vom San Juan-Hügel gegeben hat.

Der alte General Chaffee hatte in den Nachmittagsstunden des 30. Juni ganz allein, nur von einem Adjutanten begleitet, das Gelände auf dem äußersten rechten Flügel rekognosziert und das Dörfchen El Caney stark besetzt gefunden. Mit dem Morgengrauen griff seine Brigade an, unter ähnlichen Verhältnissen wie beim San Juan-Hügel später, und während das heiße und langwierige Feuergefecht um das kleine Dorf tobte, erhielt er General Shafters Befehl, den Kampf sofort abzubrechen und der Brigade Hawkins bei den San Juan-Hügeln zu Hilfe zu eilen. Man fürchtete das Schlimmste im Hauptquartier. Die starken Verluste im Fernkampf (20 Offiziere und 100 Mann tot, 70 Offiziere und 700 Mann verwundet), zusammen mit Alarmmeldungen wie dem Versagen des 71. Regiments, hatten den Stand der Dinge in sehr bösem Licht erscheinen lassen, und über die Erfolge des Tages war niemand wohl erstaunter als der Generalstab. General Chaffee zögerte. Er fürchtete den demoralisierenden Eindruck eines Zurückgehens, das als Niederlage gedeutet werden mußte. Da machte sich die Sache eigentlich von selbst. Kleine Trupps stürmten vor, und er benützte diesen günstigen Augenblick, mit zwei Regimentern zu stürmen. In wenigen Minuten war das alte Steinkastell genommen, das Dorf besetzt und der Feind in wilder Flucht.

Gleichzeitig fast oder wenig später spielte sich der Endangriff auf den San Juan-Hügeln ab, gleichfalls gegen den Befehl des Höchstkommandierenden, der das Abwarten von Verstärkungen anbefohlen hatte. In ähnlich selbständiger Weise wurde der Hügel rechts vom Blockhaus von versprengten Truppen der Division Kent, der Hügel links vom Blockhaus von den Rauhen Reitern, Regulärer Kavallerie und Teilen des 1. und 9. Regiments unter Roosevelts Führung genommen. Alle fast gleichzeitig. Um drei Uhr nachmittags war die gesamte Hügellinie, die in weitem Bogen Santiago umschloß, im Besitz der Amerikaner.


Ich riß mein Flanellhemd herunter und wand es aus, wie eine Waschfrau ein Stück nasser Wäsche auswringt. So naß war es von Schweiß, als ob ich es nicht vom Leib, sondern aus dem Zuber Wasser gezogen hätte. Den letzten Rest schmutzigen San Juan-Wassers trank ich aus meiner Feldflasche und war glücklich, in meiner Tasche unter den Patronen noch ein Stückchen steinharten Zwiebacks zu finden. Unterdessen feuerte hie und da jemand. Die Spanier erwiderten das Feuer nur schwach, und den Männern auf dem San Juan-Hügel wurde die Geschichte sehr bald langweilig, wenn es ihnen auch nicht an Munition fehlte, da inzwischen ein Maultiertransport mit Patronenkisten nachgekommen war. Sie waren hungrig und durstig und müde. Und trösteten sich mit allerlei Spässen.

Witze flogen hin und her. Sie verloren den Humor nicht, diese zähen Regulären, wenn sie auch völlig erschöpft waren und zur Kräftigung nichts hatten als die jämmerlichen Reste verschmutzten Wassers in den Feldflaschen, ein paar harte Zwiebacke, ein Stück Speck im Tornister. Sie halfen sich selbst, wie sie unter höllischem Feuer sich selbst geholfen hatten; kratzten sich neue Schützengräben aus gegen den Feind zu mit ihren kurzen, breiten, praktischen Haubajonetten, und ruhten die einen, während die anderen arbeiteten, im schwachen, unregelmäßigen, abflauenden Gewehrfeuer. Dann eilten Offiziere hin und her und brachten langsam Ordnung in die aus allerlei Regimentern zusammengewürfelten Soldatenhäuflein und organisierten planmäßiges Arbeiten in den Schützengräben.

Der Brigadestab hatte sich hinter dem Blockhaus auf der sanft abfallenden Hügelkuppe versammelt. Während der Major mit den Offizieren sprach, gingen Souder und ich zu den gefangenen Spaniern hinüber, die in Trupps eben herbeigeführt wurden. Dreißig, vierzig Mann mochten es sein im ganzen. Sie wurden von einem halben Dutzend Regulärer bewacht, die ihnen die Mausergewehre, die Bajonette, und die Patronengürtel abgenommen und auf einen Haufen geworfen hatten. Zuerst standen die Spanier scheu da, als ob sie Mißhandlungen befürchteten. Als aber einer ihrer Wächter betrübt seine leere Feldflasche beguckte, trat ein Spanier vor und bot ihm die seine an. Das war in dem Augenblick, als wir hinkamen. Der Mann im braunen Khaki betrachtete die Flasche vergnügt.

»Wasser?« fragte er.

»Bueno — bueno!« grinste der Spanier.

Der Infanterist setzte die Flasche an den Mund, tat einen tiefen Zug, wurde krebsrot im Gesicht, tanzte auf einem Bein umher und hustete gewaltig.