»Was?« Er sah die Banknote an. »Der Esel! Der unbeschreibliche Esel!!« brüllte er, lachend wie nicht gescheit. »Will kein Papier — hartes Silber ist ihm lieber! Hat das Geld natürlich für irgend einen Dienst bekommen — Herrgott, was müssen diese Leute für schlechte Erfahrungen mit spanischem Papiergeld gemacht haben ... Stecken Sie ’n ein, stecken Sie ihn ein; trinken Sie Mumm extra dry dafür mit Souder, wenn wir wieder im Lande Gottes sind!«

So kostete ihm die Schlacht vom San Juan-Hügel einen Silberdollar, und uns brachte sie vier Flaschen Mumm goût americain, die wir im Restaurant des Kapitols in Washington drei Monate später getreulich tranken.

Da kam General Hawkins mit seinem Stab, und die spanischen Gefangenen wurden in Reih und Glied aufgestellt, um befragt zu werden. Der Major schloß sich dem Stab an.

»Wir müssen zurück,« sagte er, als er wiederkam. »Die Linie muß nach vorne!«

Der Wald und der Schlammpfad nahmen uns wieder auf. Von den Hügeln her hallte schwaches Gewehrfeuer.


Es war Nacht geworden. Das Ballon-Detachement, das in aller Morgenfrühe nicht weit von der San Juan-Furt auf einer Walddichtung einen Aufstieg versucht hatte, mit dem Resultat geringer Erkundung, einiger Leichtverwundeter und eines zerschossenen Ballons, war bald darauf zurückgekommen und hatte schon begonnen, die Linie nach der Front zu legen. Wir kampierten beim El Pozo Hügel, auf der ersten Station, und sollten mit dem Morgengrauen Drahttransport und Linienbau aufnehmen. An Schlaf dachte lange niemand. Der Diensthabende am Instrument gab und empfing fortwährend Meldungen, denn die telegraphischen Nachrichten aus der Front wurden von unserer Station aus telephonisch weitergegeben. Was die Adjutanten, die wenigen Meldereiter und die Ordonnanzen der zweiten Station, die irgendwo im Wald steckte, an Depeschen brachten und durch uns dem Hauptquartier übermitteln ließen, war fast nie etwas anderes als lautes Drängen: Proviant — Proviant — Munition! Es fehlte am Nötigsten in den Schützengräben. Aber um zehn Uhr oder elf Uhr trampelte eine Karawane schwerbeladener Maultiere auf dem La Quasina-El Pozo Weg daher, die Mules störrisch, die Treiber fluchend über den furchtbar schlickigen Weg. Sie erkundigten sich bei uns, ob wir denn nicht glaubten, daß auch sie Gelegenheit bekommen würden, »ein bißchen mitzumachen«. Auch sie hatte das Schießfieber angesteckt.

In dem wunderschön handlichen Loch dicht bei der Station, das die neben uns platzende Granate am Morgen gerissen hatte — diese Granate und dieses Loch werde ich nicht vergessen, wenn ich auch sehr alt werden sollte! — zündeten wir aus allerlei gesammeltem Reisig und dürrem Holz ein gewaltiges Feuer an, kochten miserablen Kaffee und brieten schlechten Speck. Viele Wolldecken hatten wir uns aufgelesen — sie lagen ja überall umher — und saßen auf weichen Sitzen, Zigaretten rauchend. In hohem Ansehen bei den Kameraden, nicht etwa, weil wir hatten mit dabei sein dürfen, denn darüber machten sie nur schlechte Witze, sondern weil wir Rum mitbrachten, der den dünnen Kaffee merkwürdig verbesserte. Und Zigaretten! Wir sprachen nur wenig. Waren viel zu müde dazu. Zwei, drei Feuer flackerten auf der Fläche zwischen Hügel und Wald. Die Batterie hatte El Pozo schon längst verlassen, um auf einem der eroberten Hügel Stellung zu nehmen.

Einer nach dem andern wickelte sich in Decken und legte sich hin. Ich hätte gern geschlafen, aber ich war so unruhig, so aufgeregt, daß ich still am Feuer sitzen blieb und grübelte. An meinen Vater dachte ich, der mit Leib und Seele Soldat gewesen war, und an die wenigen Abende, an denen er sich herbeigelassen hatte, von Königgrätz oder von Vionville zu erzählen; kurz, knapp, unpersönlich, wie das seine herrische Art war. Wie er ganz sachlich davon gesprochen hatte, daß Artilleriefeuer stark demoralisierend wirke — und ich dachte an meine Granate ...