Da erklang es leise und zitterig irgendwo draußen in der stillen Nacht — tra — lalalah — tra — lalaah ... tara — rarah.... und die Wälder fingen den leisen Trompetenklang auf und erstickten ihn langsam, daß es noch leiser und noch wehmütiger schallte — tara — tara — ta — ra — la — ra — la — r — aaaa ... dumpf austönend in wehem, weichem Moll. Und zitternd erklang es wieder und wieder, da nun, dort jetzt. War eine Trompete ausgeklungen in leisem Hallen, setzte traurig eine andere ein — tara — lala — — — Immer und immer wieder zitterte er in die stille Nacht hinaus, der Zapfenstreich, der heute traurig erzählte: Gefallen auf dem Felde der Ehre!

Sie begruben die Toten.

Der Tag nach der Schlacht.

Am Lagerfeuer. — Vom Arbeiten in den Schützengräben. — Nächtlicher Tropenregen. — Auf dem Weg zur Front. — Die spanischen Scharfschützen. — Der stille Wald. — Verwesungsgeruch. — Das Tal der Toten. — Der Kopf. — Bloßgelegte Gräber. — Das Kommen des Grauens. — Das Leichenfeld. — Im Hauptquartier des linken Flügels. — Die Schützengräben auf dem Hügel. — Heftiges Gewehrfeuer in der Sternennacht. — Mein Maultierritt. — Vom Feuerschein beim Feind und dem Rätsel der Nachtattacke.

Kühl und frostig kam der frühe Morgen.

Das Lagerfeuer war am Erlöschen, zusammengebrannt zu einem Haufen weißlich grauer Holzasche. Nur wenn ein Luftstoß daherstrich, leuchteten rote Glutpünktchen auf, und feine rote Feuerschlangen huschten wirr umher in dem kleinen Berge weißen Staubes. Zitternd schoß da und dort ein schwaches Flämmchen auf, flackerte ein wenig in rotgelbem Licht, löste sich los, schwebte sekundenlang über den huschenden Feuerschlangen und ward aufgesogen von der rings alles umhüllenden, schwarzen, tiefdunklen Nacht. Sekundenlang wurden die Schläfer in den Decken dicht am Feuer in gespenstisch verschwimmenden Umrissen sichtbar —

Dann und wann, wenn ein Windstoß die schweren Wolkenmassen zerriß, tauchten die Bäume und der nahe Waldrand in ungeheuren zackigen Schatten auf, scharf sich abzeichnend im matten, fahlen Licht des Morgendämmerns. Still war es überall, totenstill. Kein Laut klang in die Nacht hinein außer dem leisen, ganz leisen Klicken da drüben, zwanzig Schritte weit weg. Ein winziger Lichtstreifen, der Schein der Signallaterne bei den Instrumenten, zeigte undeutlich Gestalten am Telephon und am Telegraphenapparat, über Taster und Membranbecher gebeugt, eifrig schreibend.

Ich saß und lauschte. In dieser Nacht hatte ich kaum geschlafen. Das Klicken, das von der Front kam und zum Hauptquartier ging, erzählte in kurzen, knappen Meldungen an den kommandierenden General von Arbeit, Arbeit, Arbeit. Sie hatten arbeiten müssen wie Maulwürfe in dieser Nacht, die müden Männer auf den Hügeln. Tief in die Erde hatten sie sich eingegraben, Kilometer auf Kilometer von Schützengräben ausgehoben, Verschanzungen aufgeworfen. Hin und wider waren sie marschiert, bis die einzelnen Verbände sich nach dem Wirrwarr des Schlachttags wieder zusammengefunden hatten. Und in das Erzählen von harter Arbeit klang, in den scharfen Befehlen vom Hauptquartier, die Sorge —