»Mr. McGrady?«

Allan McGradys scharfe Augen blinzelten vergnügt über die Ränder der goldenen Brille hinweg. Ein Lächeln huschte über das scharfgeschnittene, glattrasierte Gesicht. »Sagen Sie lieber gleich Mac zu mir, mein Sohn,« meinte er grinsend, »denn in ein paar Tagen tun Sie es doch. Hier hat jeder seinen Spitznamen, und ich werde wohl Mac genannt werden bis zu meinem seligen Ende. Ihren Spitznamen kann ich Ihnen übrigens prophezeien: als jüngster Reporter sind Sie und bleiben Sie das baby bis Einer kommt, der noch jünger und noch dümmer ist wie Sie!«

Ich muß ein sehr verblüfftes Gesicht gemacht haben —

»Wenn ich sage dumm, so meine ich das natürlich nur im Reportersinn, und hoffentlich werden Sie auch in diesem Sinne in etlichen Monaten nicht mehr dumm sein. Und nun will ich Sie ein bißchen orientieren, mein Sohn. Hier gibt’s keine Herren und keine Knechte. Wir sind alle zusammen Arbeiter im Dienste der Zeitung, und in unserem Leben darf und kann es nichts Wichtigeres geben als die Zeitung. Sie ist es, die uns vereint. Wir sind eine große Familie. Wir teilen unsere Zigarren und unseren Whisky, manchmal sogar unser Geld — nun, Sie werden das sehr bald herausbekommen. Wir sind alle Blutsbrüder. Wenn Sie etwas nicht wissen, fragen Sie Ihren Nachbar. Wenn Sie etwas bedrückt, kommen Sie zu mir ... Halten Sie vor allem den Kopf hoch und lassen Sie sich nicht verblüffen! Sie werden ganz von selber sehen und hören und lernen — und weder ich noch irgend jemand kann Ihnen da viel helfen. Der Journalist muß einem im Blut stecken, und wer’s nicht in sich hat, wird’s nie! Und nun —«

Er teilte mir meine erste Arbeit beim Examiner zu.


Um neun Uhr morgens versammelte sich die Reporterschar im Reporterzimmer, während Mac schon eine Viertelstunde vorher sich an seinem Schreibtisch eingefunden hatte. Eine selbstverständliche Voraussetzung war natürlich, daß jeder der »Herren des Stabes« nicht nur das eigene Blatt, sondern auch die anderen Morgenzeitungen San Franziskos beim Frühstück gründlich gelesen hatte. Diese morgendliche Konferenz hatte immer eine lustige und eine etwas weniger lustige Seite. Man lachte und plauderte und spielte allerlei Schabernack, Mac so gut wie wir alle, bis er auf einmal zu Mr. Allan McGrady wurde und seine berühmte Geste der Ernsthaftigkeit annahm. Er pflegte dann die Hände in die Hosentaschen zu stecken.

Kurz, scharf, sacksiedegrob war seine Rede —

»Baby!« (Das war ich!) »der >Call< (das war eine Morgenzeitung San Franziskos) hat Ihre Geschichte über den Mann, der total betrunken im Citygefängnis eingeliefert wurde und in dessen Taschen man 15 000 Dollars fand, ebenfalls gebracht. Das ist traurig und von Ihnen unrecht. Wenn Ihnen ein Polizeisergeant — welcher war es?«

»McBride.«