Äußerlich war nichts Märchenhaftes daran.

Der Tag eines Reporters beim San Francisco Examiner begann mit Arbeit, war ausgefüllt mit Arbeit, endete mit Arbeit, und des Nachts träumte man von der Arbeit.

Als ich zum erstenmal meinen Platz an einem Ecktisch im Reporterzimmer einnahm, kam ich mir so unendlich hilflos, so geistesarm, so über alle Maßen unfähig vor, daß ich am liebsten wieder davongelaufen wäre. Ich starrte auf das weiße Papier, das vor mir lag, betrachtete das Tintenfaß, sah mißtrauisch auf die Schreibmaschine auf dem kleinen Tischchen neben mir und wunderte mich, was in Dreikuckucksnamen ich nun eigentlich anfangen sollte. Zwölf Männern, dem gesamten Reporterstab der Zeitung, war ich hintereinander vorgestellt worden, und ein jeder hatte gelächelt und ein jeder irgend etwas Liebenswürdiges gesagt, um sich dann in keiner Weise mehr um meine gräßlich verlegene Wenigkeit zu bekümmern. So saß ich da, mit dem krampfhaften Gefühl, daß es die Aufgabe eines Reporters war, irgend etwas zu schreiben. Aber was, zum Teufel?

Ueberall um mich klapperten Schreibmaschinen. Die Türe wurde fortwährend aufgerissen, und Leute kamen herein und gingen hinaus. Meine neuen Kollegen schwatzten und lachten — mitten in ihrer Arbeit. Wie es möglich sein konnte, in diesem Höllenlärm einen vernünftigen Gedanken zu Papier zu bringen, war mir vorläufig ein Rätsel.

Es roch nach frischer Druckerschwärze. Papier bedeckte knöcheltief den Boden, allerlei Papier, handbeschrieben, maschinenbeschrieben, bedruckt. Die Wände entlang standen zerschnitzelte und tintenbeschmierte Pulte und kleine Tischchen, auf denen blanke Schreibmaschinen thronten. Die eine Schmalseite des Zimmers nahm der Bücherständer ein mit seinen unzähligen Nachschlagewerken. Eine Notiz in roter Tinte besagte, daß der Sünder, der dabei ertappt würde, ein Buch nicht an seinen richtigen Platz zurückzustellen, zu Pön und Strafe jedem Anwesenden ein Glas Bier zu stiften habe. Da waren Telephone an den Wänden und der elektrische Meldeapparat der Feuerwehr und das Spezialtelephon zum Polizeihauptquartier und eine Karte von San Franzisko und ein Tisch stand in der Zimmermitte, fußhoch mit den neuesten Zeitungen bedeckt. Ueberall glitzerten elektrische Glühbirnen, denn der Raum war zu groß, als daß das einzige Fenster selbst am hellsten Sonnentag ihn hätte erleuchten können. Die geweißten Wände waren dicht bekritzelt. Gegenüber der Eingangstüre stand in großen Lettern:

»Fremdling, der du hier eintrittst, mach schleunigst, daß du wieder hinauskommst, denn unsere Zeit brauchen wir selber!«

Und darunter deutete eine roh hingezeichnete Hand auf den großen Schreibtisch in der Ecke beim Fenster:

»Allan McGrady, Lokalredakteur, Oberbonze, Hohepriester! Achtung, der Kerl beißt!!«

Und mit einemmal waren alle die Männer verschwunden und der Raum leer. Nur der Mann, der biß, war noch da. Er sah von seiner Arbeit auf und rief mich beim Namen.