Zwei Monate später, als ich an Bord eines der letzten Truppendampfer, die Santiago de Cuba verließen, staunend die Schönheit von Felsennest und alter Burg und blauem Meeresgestade bewunderte, sah ich am Strand des Felsentors den »Furor«. Wenige Minuten später kamen die Wracks der »Viscaya« und des »Almirante Oquendo« in Sicht. Der »Cristobal Colon« war einige Tage nach der Schlacht völlig gekentert. Die »Infanta Maria Teresa« hatten die Amerikaner zwar gehoben und notdürftig ausgeflickt, aber während des Transportes nach den Vereinigten Staaten war sie bei den Bahamas gestrandet und gesunken.
Tropenfeuchtigkeit und Tropensonne hatten die armen Reste von zerschossenem Stahl und zerfetztem Eisen, die nur wenige Meter über das Wasser hervorragten, mit einem leuchtendroten Kleid von Rost überzogen. Spitzige, zackige Stahlfetzen und Eisentrümmer überall. Unförmliche verbeulte Stümpfe, die einst Schornsteine gewesen waren.
Schlechtes altes Eisen. Das war übrig geblieben von der Gespensterflotte.
In den Schützengräben.
Von Siegesberichten und Sorgen. — Ein Murren geht durch die Schützengräben. — Die Meinung des alten Sergeanten. — Ungeduld! — Der Humor der Front. — Krankheit und Schwäche. — Die berühmten kubanischen Leibschmerzen. — Fieber und Ruhr. — Stimmungen und Verstimmungen. — Ein Freudentag. — Freund Billy aus Wanderzeit und Eisenbahnfahrt. — Zwei Gefechtstage. — Wie ich ein Held sein wollte. — Der Friedensbaum. — Die Kapitulation von Santiago de Cuba.
Die Armee auf den Hügeln jubelte.
Erst viele Wochen später, als Dampfer auf Dampfer Regiment auf Regiment nach der amerikanischen Heimat zurückbrachte und die Männer der Schützengräben sich gierig auf die alten Zeitungen stürzten, von ihren eigenen Taten zu lesen, erfuhren sie zu ihrem großen Erstaunen, daß die Ereignisse in den ersten Julitagen im Tal von Santiago de Cuba den Leuten zuhause im Lande Gottes nicht nur glorreiche und höchst übertriebene Siegesberichte gebracht hatten, sondern auch schwere Sorgen.
Sie lasen verblüfft, daß General Shafter nach der Schlacht am San Juan-Hügel am Abend des 2. Juli nach Washington gekabelt hatte, die Stellung des Feindes auf seiner zweiten Verteidigungslinie sei fast unangreifbar und die Lage außerordentlich ernst, denn ein Vorgehen müsse schwerste Verluste bringen — — — Sie lasen schmunzelnd, daß der General, der die amerikanische Gesamtarmee kommandierte, General Miles, dem kranken und überpessimistischen Shafter noch in der gleichen Nacht lakonisch geantwortet hatte, er möge vor allem — den spanischen Befehlshaber zur bedingungslosen Kapitulation auffordern! Das Bombardement der Stadt androhen, wenn General Toral sich weigere! Sie lasen lachend, wie glänzend dieser echt amerikanische Bluff gelungen war: Zwar hatten die Spanier die Uebergabe abgelehnt, aber Waffenstillstand trat ein am 3. Juli und es begannen Verhandlungen, die den Anfang vom Ende bedeuteten. Sie lasen noch manches mehr. Oft vielleicht mit einem recht unbehaglichen Gefühl. Wie der Hunger ihnen in der Schlacht geholfen hatte, ohne daß sie es wußten, denn die armen Teufel von Spaniern waren schon Ende Juni auf halbe Rationen gesetzt worden, weil das verrottete spanische Regierungssystem auf der Insel sich um die Kleinigkeit der Verproviantierung einer Armee zufällig nicht gekümmert hatte. Wie gewaltig stark die Drahtverhaue der zweiten spanischen Stellung waren. Wie furchtbar hoch die Krankenzahl in der amerikanischen Armee.