Muß ich erzählen, daß sie mir viel Geld brachte? Muß ich hervorheben, wie wundervoll ich sie fand und wie ehrlich ich überzeugt war, ein hervorragendes Stück schildernder Zeitungsarbeit geschaffen zu haben? Und mit einem kleinen Herrgöttlein nicht getauscht hätte! Nein; das ist sonnenklar selbstverständlich: Ging doch meine sensationelle Geschichte durch alle Blätter und erregte gewaltiges Aufsehen!


So saß ich im Palasthotel von St. Louis, in dessen Küche ich vor kaum drei Jahren Töpfe geputzt hatte, und war stolz.

Da legte sich eine Hand auf meine Schulter und eine sonore Stimme sagte gemütlich:

»Na, lieber Junge, haben sie dich immer noch nicht gehenkt?«

Und neben mir stand vergnügt grinsend Frederick Haveland, der Mann, der immer lachte und stets alle Menschen fragte, weshalb in aller Welt sie noch nicht gehenkt worden seien.

Heute noch kann ich keine Nebelkrähe sehen, ohne an Frederick Haveland denken zu müssen. Sein Gang hatte etwas krähenhaft Wackelndes, Schweres, Possierliches; seine fast schwarzen Augen glitzerten rund und spitzbübisch; über dem dicken Schädel sträubte sich ein grauschwarzer Krähenschopf. Ein Wandervogel war er auch. Wenn er einmal geruhte, Neuyork auf eine ebenso kurze wie tolle Periode aufzusuchen, so haben wir ihn niemals Haveland genannt noch Frederick noch Fred, sondern immer bei einem seiner zahlreichen periodischen sobriquets. Den Pokerteufel — er plünderte einen mit absoluter Sicherheit gräßlich aus, nur um die Dollars sofort auf Nimmerwiedersehen an irgend einen bedrückten Zeitungsmenschen zu verleihen — den Mäusemann — da hatte er die Schrecken des delirium tremens, die krabbelnden weißen Mäuschen und die züngelnden Schlangen, so wundervoll geschildert, daß wir alle wie auf Kommando drei Tage lang nur Sodawasser tranken und zwar ohne Whisky — den Lokomotiventöter — da hatte er in Texas zwei Lokomotiven mit Volldampf aufeinander losfahren lassen, mit einem Explosionsresultat ersten Ranges, das der verrückten Eisenbahn viel Geld des lieben, zuschauenden, schwer zahlenden Publikums und ihm großen Ruhm einbrachte — vor allem aber den Generalfresser, denn Frederick Haveland hatte es fertig gebracht, als Kriegskorrespondent in Kuba den kommandierenden General Shafter in seinem eigenen Hauptquartier so anzubrüllen, so gröblich zu beleidigen, daß er um ein Haar standrechtlich erschossen worden wäre. Man wußte von ihm, daß er eigentlich Zivilingenieur war, immer in allen möglichen Unternehmungen steckte, sich in den unwahrscheinlichsten Weltwinkeln herumtrieb, und Manuskripte extraspezialen ersten Ranges lieferte, wenn es ihm an der Zeit dünkte, wieder einmal etwas zu schreiben. So mancher zerbrach sich über ihn den Kopf. Wahrscheinlich aber war er nur einer von den wenigen Hunderten von Menschen der Welt, die es verstehen, ihren natürlichen Vagabundeninstinkt zu nähren — und dabei Gentlemen zu bleiben und Geld zu verdienen.

Dieser Frederick Haveland setzte sich umständlich zurecht, streckte die langen Beine aus, und grinste.

»Weshalb haben sie dich eigentlich in Neuyork 'rausgeschmissen?« fragte er.

»Was!« sagte ich entrüstet. »Mit Tränen in den Augen haben sie mich gebeten, ich möchte doch um Gotteswillen dableiben! Mann, sie wollten mir das Honorar verdreifachen! Aber ich hatte meine großen Talente entdeckt und Neuyork war mir zu klein geworden.«