Die wuchernden Wände öffneten sich.

Eine weite ebene Fläche lag vor uns, eingebettet zwischen starren Waldwällen, mit hohem Gras, breitblättrigen Pflanzen, rotschimmernden Bodenflecken. Aus der Mitte leuchtete ein niedriges weißes Holzhaus, verwahrlost aussehend, flach, verandenumgeben, verlassen anscheinend. Daneben zwei Hütten. Dicht beim Haus ein Brunnen —

»Nieder!« sagte ich scharf.

Denn aus dem Haus trat ein Mann. Die Gestalt in schmutziger Leinenhose, offener Jacke, breitrandigem Strohhut schlenderte ziellos umher, eine Zigarette paffend, guckte zum Himmel empor, sah gen Westen zum Wald hinüber, kam immer näher. Ich gab Jack einen Wink, und er kroch lautlos vorwärts, um im Bogen hinter den Mann zu kommen. Nun war der Venezolaner uns bis auf zehn oder fünfzehn Schritte nahe. Haveland sprang auf, höflich den Hut ziehend.

»Santa madre de Dios...« kreischte der Mann, wandte sich — und starrte Jack an...

Haveland, immer Hut in der Hand, redete in raschfließendem, klingendem, sonorem Spanisch auf ihn ein, ließ Goldstücke blitzen, lauschte auf Antwort, gab Gegenrede. »Matthews' Diener!« sagte er dann leise zu mir. »Matthews ist drinnen. General Morales — das ist der Rebellenführer, um den sich alles dreht, — steht mit fünfhundert Mann eine englische Meile von hier. Matthews erwartet ihn heute nachmittag. Wir müssen also sofort mit Matthews reden.«

»Allright,« antwortete ich. »Jack, behalte den Mann hier. Geht näher an das Haus heran, laßt euch nicht sehen, haltet nach allen Richtungen Ausguck, und meldet sofort, wenn jemand kommt. Verstanden, Jack?«

»Yes, sir.«

Frederick Haveland aber und ich schritten eilig, hochaufgerichtet, ohne den Versuch zu machen, uns zu verbergen, über den hitzesprühenden Boden dem Häuschen zu. Es war einmal weiß angestrichen gewesen; jetzt klafften an den Wänden große graue und braune Schmutzflecken. Auf der Veranda war zwischen Pfosten und Rückwand eine sonderbare Hängematte gespannt, ein Tierfell anscheinend. Wir stießen die Türe auf. Das eine Fenster war zerbrochen, das andere schmutzig, ein eiserner Kochofen stand an der linken Wand, leere Konservenbüchsen und Flaschen lagen umher. Nächste Tür — nächstes Zimmer. Und ich blieb an der Tür stehen. Auf einem einfachen eisernen Feldbett in der Mitte des Zimmers lag ein Mann, im schneeweißen Leinenanzug, und das Gesicht dieses Mannes war schreiend kupfergelb, zwischen Gelb und Rot, kupfrig. Er hatte sich auf den einen Arm gestützt, wie aus dem Schlaf aufgeschreckt, und seine Rechte hielt einen Revolver. Die Augen leuchteten wie Lichter. Ich sah gleichzeitig den Mann, die Augen, die Waffe, die Kleinigkeiten des Zimmers — die schönen Felle am Boden, die eiserne Kassette vor dem Bett, den schlichten Waschtisch, die Fläschchen und Büchsen auf einem kleinen Tisch, den Winchester-Repetierer an der Wand. Dann konzentrierte sich mein Blick auf die Waffe in des anderen Hand. Sie blieb gesenkt.