Und wir tranken, und er zerschellte seinen Kelch an der Wand.

»Unser Major!« rief Souder mit leuchtenden Augen. Wieder klirrte zerbrochenes Glas.

Es war nur eine Viertelstunde, die ich in dem winzigen Privatzimmerchen der Signaloffiziere im Washingtoner Kriegsministerium verlebte, doch die kurze Spanne Zeit war ein Männerzusammensein, voll tiefen Fühlens. Das Geplauder schien oberflächlich und klang lustig, aber in das Lachen hinein woben sich für jeden Bilder aus der kaum vergangenen Zeit, da wir Kameraden gewesen waren im Krieg, wir drei. Das kittet. Der Major meinte, es sei ja nett, daß er uns glücklich los sei, und schalt Souder einen Duckmäuser, und Souder berichtete von dem reichen Schmied in dem Indianiastädtchen, das seine Heimat war. Der war Mitglied des Kongresses und ein alter Freund Souders. Der Sergeant hatte ihn in Washington getroffen vor einigen Tagen, und der parlamentarische Schmied war eiligst zum Kriegsminister gelaufen, ein Leutnantspatent in der Freiwilligenarmee herauszuschinden für seinen Protegé — Der neuernannte Leutnant mußte heute noch nach San Franzisko abreisen, um sich zur Philippinenarmee einzuschiffen.

Und wir lachten und tranken.

»Kuba und das Signalkorps!« toastete Major Stevens. »Adieu Jungens!« Und er schüttelte Souder und mir die Hände, gab mir einen Briefumschlag, und dann gingen wir, ein jeder seinen Weg. Der Major zum General, Souder zum Infanteriestab unten, sich zu melden, ich nach dem Fort. Ich habe keinen einzigen von den Männern aus dem kubanischen Kriege jemals wiedergesehen. Mit einer Ausnahme — Billy! Den alten Billy vom Schienenstrang, den ein sonderbarer Zufall mir auf den letzten der Leichtsinnspfade stellen sollte.


Es gehörte zum guten Ton der Armee, daß einer, der ihr den Rücken kehrte, das rasch und unauffällig machte. Von der Sekunde an, in der man seine Entlassung in der Tasche hatte, paßte man nicht mehr in den militärischen Rahmen. So fuhr ich rasch nach Fort Myer, nachdem der Gang zum Zahlmeisteramt mit dem Entlassungsdokument in wenigen Minuten erledigt war. Sergeant Hastings war telegraphisch benachrichtigt worden und sagte wenig; der alte Reguläre begriff es nicht, daß man den Rock mit den wertvollen Sergeantenstreifen freiwillig ausziehen konnte. Er nickte, als ich ihn bat, meine militärischen Habseligkeiten, die Uniformen, die Mäntel, die Mützen für mich zu verkaufen, und war verwundert, weil ich wünschte, er möge meine Entlassung erst beim Abendappell den anderen Sergeanten mitteilen. Ich mochte das Gerede jetzt nicht. Keiner der anderen stand mir nahe. Und als ich die paar Sachen für mein Köfferchen zurechtgelegt hatte, zog ich noch einmal Sergeantenuniform an, um nicht aufzufallen, und ging durch die Quartiere und die Werkstätten. Ich sah den Leuten einige Augenblicke lang zu, betrachtete mir eine signalisierende Flaggenabteilung, sah ein Automobil davonsausen —

»Heidi, Kinder! Es ist wirklich etwas sehr Gleichgültiges, ob es unter euch einen Sergeanten gibt, der Carlé heißt, oder nicht. Lebt wohl, lieben Kinder...«

Mechanisch griff ich noch einmal nach einem Taster.