So jagten sich die Bilder.
Ich starrte in gebanntem Schauen und sah mich immer wieder selber in den Traumgebilden, in denen mein Leben vorbeihuschte. Und nun sollte das Leben ja wiederum neu beginnen. Da lachte ich vor mich hin, fand die Welt und die Dinge und die Menschen wunderschön, und zauberte flugs neue Bilder in die Nebel. Von tanzenden Frauengestalten — sie tanzten um meine Wenigkeit — und Strömen von Gold — sie gehörten mir — um dann mit scharfem Ruck zusammenzufahren und den Champagnerkelch zu packen.
Ruhig da! Eiskalt sein, mein Junge. In diesem Lande rechnete man mit Wirklichkeiten. Mit jenen Wirklichkeiten, wie sie da in der bedeutsamen Rolle in meiner Westentasche sich meinem Körper anschmiegten; mit Dollarscheinen. Sechshundert Dollars besaß ich, von denen einige hundert die letzte Zahlung Onkel Sams darstellten, einige hundert aus der üppigen Löhnung erspart waren. Es hätte mehr sein können, sagte ich mir grinsend, aber immerhin...
Was machte man nun mit sechshundert Dollars, wenn man ein neues Leben anfangen wollte?
Das wohlige Gefühl des Geldhabens verdichtete sich zum Problem.
Behauptete nicht dieser salbungsvolle Spitzbube von Rockefeller, daß jeder tüchtige Mann, dem es einmal gelungen war, sich so etwa tausend Dollars zu erwerben, für alle Zukunft unbedingt geborgen sein müsse? Nur arbeiten mußte der tüchtige Mann und beten und weiterhin wahnwitzig sparen, Pfennig für Pfennig, und lauern wie eine Schlange, um mit seinem Geld zuzubeißen im richtigen Augenblick. Oh, sechshundert Dollars waren viel Geld. Sie konnten eine nette kleine Farm in Texas bedeuten, oder eine gutgehende Bierwirtschaft, oder einen Gemüseladen, oder — viele Hunderte von nahrhaften und beständigen Dingen im Sinne Rockefellers. Dja. Für mich aber waren die Dollarscheine dazu da — jawohl, selbstverständlich dazu da, den Weg zur Zeitung wiederzufinden.
Punkt eins erledigt.
Damit trank ich vergnügt meinen Sekt aus und ging fröhlich zu Bette. Mich mit unwichtigen Nebensächlichkeiten zu beschäftigen, hatte ich nicht die geringste Lust — damit zum Beispiel, wie das neue Zeitungsleben nun eigentlich beginnen sollte.
Ich wollte wieder zur Zeitung und damit holla!
Am nächsten Morgen wachte ich mit wohlverdienten Kopfschmerzen auf und schlenderte bald die breite Avenue hinab. Kopfschüttelnd betrachtete ich die Menschen, die hier weniger Eile hatten als anderswo, die vielen eleganten Wagen, die daran erinnerten, daß Washington eine Stadt der Politik, der Repräsentation, des gesellschaftlichen Lebens war und nicht eine Stadt der Arbeit. Nach wenigen Minuten war ich beim Weißen Haus angelangt, der bescheidenen Villa der amerikanischen Präsidenten. Zwischen Bäumen und Buschwerk hervor leuchteten durch den Park die schneeweiß getünchten Wände. Vor dem eisernen Gitter standen viele Menschen, die langsam einer nach dem andern zwischen zwei hünenhaften Polizisten hindurch den Kiesweg zum Weißen Haus hinaufschritten.