Ein Wohnzimmer schloß sich an und da stand ein riesiger Klubsessel und in den Teppich sank man tief ein und da waren — so etwas Reizendes hatte ich noch nicht gesehen in meinen amerikanischen Zeiten... Und die alte Dame war ja entzückend! Sie pries nicht laut an, sondern ihre lächelnden Augen führten die meinen von Gegenstand zu Gegenstand, zu dem Rauchtischchen, zu dem Klubsessel, zu dem Telephon neben der Tür, zu dem automatischen Telegraphenapparat, dessen Kurbel mit einer Umdrehung einen Messengerboy herbeirief, mit zwei Umdrehungen einen Wagen — zu der elektrischen Leselampe auf dem Schreibtisch, zur fellbedeckten Chaiselongue. Ich schaute und bewunderte, und mit einemmal war die Bänglichkeit verschwunden. Lächerlich, diese Anwandlung von Sparsamkeit! Hier war ich und hier blieb ich und was die ganze Geschichte kostete, konnte mir furchtbar gleichgültig sein. Knisterten doch noch viele Banknoten in meiner Tasche! Um so besser, wenn das neue Leben in wohliger Umgebung begann...

Und außerdem fing ja morgen schon die Zeitungsarbeit an! Heidi! So wie mir das vorschwebte — ganz klar, simpel, und greifbar nahe, begannen jetzt Zeiten gewaltigen Geldverdienens. Einige Dollars mehr oder weniger spielten da keine Rolle! Ich war sehr zufrieden mit mir und der neuen Pension.

»Sie dürfen rauchen,« lächelte Mrs. Bailey.

Ich verbeugte mich dankbar.

»Wir geben und verlangen Empfehlungen,« fuhr sie fort.

»Ich bin fremd in Neuyork,« sagte ich da schroff. »Wenn Sie so freundlich sein wollen, mich über Ihre Bedingungen zu informieren, so bin ich bereit, ein Depot in Höhe der Kosten meines Aufenthalts in Ihrem Hause für den Zeitraum eines Monats zu hinterlegen.«

»Very well,« meinte die alte Dame. »Wir berechnen mit Frühstück vierzig Dollars den Monat und nehmen vierzig Cents für Diner.« (Ich machte ein verblüfftes Gesicht. Mir, der ich an San Franziskoer Preise gewöhnt war, schien das spottbillig.)

Ich zählte rasch sechzig Dollars ab. »Darf ich bitten?«

»Danke schön, Mr. — Mr. — —. Und nun sagen Sie doch, bitte, einer alten Frau, die Ihre Großmutter sein könnte, wer Sie sind und was Sie sind. Vor allem aber: Heißt es >Kaohrl< oder >Dscharle<? Sehen Sie, Sie sind noch sehr jung, und ich mag gern Leute, die frische Gesichter haben, und vielleicht kann ich Ihnen nützlich sein. Frauen sind doch neugierig...«

Prachtvoll! Selbstverständlich wurde ich weich wie Butter und erzählte eine halbe Stunde mit vollkommener Ehrlichkeit über mich selbst, in sehr schroffem Gegensatz zu der Verschlossenheit, die ich mir aus praktischen Gründen angelobt hatte. Von San Franzisko und von Kuba und vom Signalkorps und von Zeitungsträumen. Und die alte Dame lächelte und nickte.