Zwei Herren, die vor mir gingen, unterhielten sich laut über die ungeheure Verkehrsstörung, die der Schneesturm bedeutete. »Mindestens drei Stunden Arbeitszeit verloren,« hörte ich — »Züge stecken geblieben — keine Frühpost — die Leute draußen in den suburbs kommen überhaupt nicht durch — Ladengeschäfte schwer geschädigt — gut aber für die Arbeitslosen — erinnern Sie sich an den Schnee vor drei Jahren, als...«

»Mo—oorning papers — Morgenzeitungen!« schrie es jetzt gellend, und alles lachte. Ein findiger Zeitungsjunge hatte sich aus Brettchen eine feste Unterlage auf dem Schneewall geschaffen und thronte hoch über den Köpfen der Passanten. Seine Zeitungen gingen reißend ab. »Morning papersWorldWo—oo—rld großer Craven-Prozeß...« Ein wenig weiter hockte ein anderer Gamin oben im Schnee. Er deutete auf seine kleine Kiste mit Wichszeug und schrie grinsend: »Bootblack! Schuhputzer! Lassen Sie sich die Stiefel putzen, gents!« Man lachte wiederum und schenkte dem Jungen gern einen Nickel für seinen Witz. Dies war nicht die richtige Zeit zum Stiefelputzen!

Weiter, immer weiter. An allen Ecken gab es Drängen, Aufenthalt, Stockungen. Die wenigen Straßengevierte zum Broadway hin brauchte ich fast eine Stunde.

Da sah ich Stufen, die zu einem Zigarrenladen führten, sprang hinauf und faßte oben Posto. Unübersehbar dehnte sich links und rechts die ungeheure Verkehrsader Neuyorks, der Broadway. Doch wo gestern abend Tausende und Abertausende von Wagen und Gefährten unter ohrenbetäubendem Lärm in ununterbrochener Reihe den weiten Platz zwischen den Fußgängerwegen überflutet hatten, war es jetzt still und weiß. Wo sinnverwirrend Farbe über Farbe sprühte und blitzschnelle Bewegung sich jagte, breiteten sich starr gerade Linien — das Weiß der Straße, das dumpfe Graubraun der Häusermassen, die Schneelinie der Dächer. Nur Beiwerk waren heute die Menschen, die sonst in ihrer ungeheuren Masse das Bild beherrschten; die schwarze Linie da auf beiden Seiten sah sonderbar dünn und unbedeutend aus. Alles hatten sie erdrückt, die zarten Schneeflocken; die Menschen, den Wirrwarr des Riesenverkehrs, die grelleuchtenden Farben.

Aber schon gingen Tausende von Feinden dem sieghaften Weiß zu Leibe. Die langausgedehnten Arbeiterkolonnen sahen ärmlich und winzig aus auf der ungeheuren Strecke, doch unter ihren Schaufeln flog der Schnee aufspritzend zur Seite in großen Fetzen, und hier und dort fraß schon scharfes Laugensalz schwarze Flecke in die Straße. In wenigen Minuten änderte sich das Bild. Lebendiges Leben riß die stille Schneedecke fort. Wagen tauchten auf dort unten, Schneepflüge wühlten, dichter wurden die schwarzen Flecke, Arbeiterkolonnen ballten sich zusammen, stemmten sich an, schaufelten, schleuderten. Aus den Seitenstraßen arbeitete es ihnen entgegen. —

Und mit triumphierendem Gongklingeln kam über die befreiten Schienen der erste Straßenbahnwagen.

»'morning!« sagte eine Stimme hinter mir. Sie gehörte dem Mann vom Zigarrenladen.

»'morning,« antwortete ich.

»Viel Schnee!«

»Ziemlich.«