»Hallo, Kinder. Was treibt ihr?«
»Ich versuche,« lachte Dick Burton, »diesen jungen Dachs Demut zu lehren.«
»Das ist entschieden eine nette Ausrüstung für einen Zeitungsmenschen!« grinste Holloway.
»Sei bescheiden, Franky! Hast nicht auch du täglich fünfmalhunderttausend Menschen — das ist doch so ungefähr eure Auflage — gepredigt und bewiesen, daß Tammany der Schandfleck Neuyorks ist, daß diese Politiker, die das Schicksal einer Millionenstadt in ihren Händen halten, verrottet sind bis ins Innerste? Daß sie stehlen und betrügen und die anständigen Menschen an der Nase herumführen? Nun, was hast du ausgerichtet, du einflußreicher Zeitungsmann?«
Frank Holloway lehnte sich weit in den Sessel zurück und sah ernst vor sich hin.
»Ich glaube an dieses Land und seine Kräfte!« sagte er endlich. »Was wir hier in Neuyork erleben, ist nur ein Abklatsch, ein Ausschnitt im Kleinen, verrotteter politischer Zustände, die aber immer nur Ausnahmen sind und bleiben müssen. Der und jener unserer politischen Führer ist verderbt. Eine Zeitlang vermag er sich durch Tricks und Mätzchen und Bestechung armen Stimmviehs zu halten. Dann aber wird er hinweggefegt, wie sie alle hinweggefegt worden sind von Zeit zu Zeit. Denn dieses Land ist im tiefsten Grunde knochenehrlich. Es begeht Fehler, aber es wird die Fehler automatisch in seiner Entwicklung gutmachen. Wenn ich im Geiste die ungezählten Heerscharen sehe, die aus allen Ländern in unsere neue Welt geströmt sind, so will es mir scheinen, als sei von ihnen nur übrig geblieben, was tüchtig, wertvoll, lebenskräftig war. Die anderen sind zermalmt worden in unserem brutalen Daseinskampf. Noch kämpfen ihre Kinder und ihre Kindeskinder. Sind wir doch die jüngste aller Nationen. Aber der Grund ist gelegt. Es ist nichts als ein Wachsen und Werden, wenn wir, das einzige freie und völlig selbstbestimmende Volk der Welt, uns mit vom Daseinskampf getrübten Sinnen von einigen Milliardären knechten lassen, weil wir in diesem harten Leben das Geld nun einmal anbeten müssen wie es scheint: wenn wir Schurken dulden, weil die Besten unter uns keine Zeit haben, für Ehrlichkeit zu kämpfen; wenn wir, die vielen Freien, uns von einigen ausbeuten lassen. Und einst wird die Zeit kommen, wo dieses ungeheure Land sich an seine Freiheit gewöhnt haben und alles abschütteln wird, was alt und verfault ist: Die irischen Politiker, die englische Pfäfferei, die puritanische Lüge, den schlauen Geschäftsschurken der alten Oststaaten...«
»Gut!« sagte Dick Burton. »Ich achte persönlichen Enthusiasmus. Ich persönlich jedoch glaube, daß mit zunehmendem Reichtum die Sache immer fauler werden wird bei uns. Die Zukunft gehört dem smarten begabten Juden. Schon jetzt leitet er unsere Banken, schreibt unsere Bücher, dichtet unsere nationalen Lieder — —«
»Ich hab' eine Idee!« unterbrach ich ihn. (Wenn Dicky auf den amerikanischen Juden und auf den Neuyorker Juden im besonderen zu sprechen kam, wurde er langatmig und langweilig. Außerdem ungerecht!)
»Hoih! Er hat eine Idee!« schrie Holloway, sah mich jedoch dankbar an.
»Aber nicht für dich! Dir gegenüber ist sie vertraulich, denn die kann nur Dick machen, weil er eine Dame im Stab hat.«