Und wieder sehe ich die Menschen, und höre den Zeitungslärm, in dem ich arbeitete. Gräßlicher Lärm war es; Hasten, Ueberstürzen, Holtergepolter tagaus tagein. Aber diese Arbeit hat Freuden beschert, wie sie der Erfolgreichste und Tüchtigste nicht größer und schöner erleben kann. So stolz kam man sich vor jeden Tag, weil an jedem Tag von neuem gerungen und gekämpft werden mußte! Denn der Landsknecht der Feder hatte es wahrlich nicht leicht!

Free lances, Freilanzen, Landsknechte, Glückssoldaten der Zeitung werden im Zeitungsland des Dollars die merkwürdigen Männer genannt, von denen ich damals einer von den ganz kleinen war. Ihre Zahl ist eine sehr große. Die Tüchtigen behaupten sich in ihrer unabhängigen Stellung, die anderen wenden sich, wenn sie lange genug gehungert und Träume geträumt haben, irgendeinem Dollarberuf zu, der etwas weniger aufreibend und etwas mehr nahrhaft ist. Einige wenige finden Unterschlupf als festangestellte Journalisten. Die ganz wenigen endlich, die übrig bleiben, werden große Männer und schaffen die moderne Romantik der amerikanischen Literatur.

Es ist ein ganz verrückter Beruf, das Schaffen dieser Landsknechte, und beileibe nicht zu vergleichen mit dem deutschen freien Schriftsteller etwa, der seine Feuilletons, seine Essays, sein »Aktuelles« auf dem freien Zeitungsmarkt verkauft. Das gibt es nicht bei der amerikanischen Zeitung. Sie kauft wohl Romane von ersten Autoren und bringt gelegentlich auch eine gute Novelle, aber sie hat kein literarisches Feuilleton im europäischen Sinne und will keines haben. Sie pfeift auf den Geist. Den europäischen Literaten kann sie absolut nicht gebrauchen. Zwar liebt sie Humoristen, aber Humoristen sind in Amerika wie anderwärts so selten wie die Uneigennützigkeit. Vor allem will die amerikanische Zeitung:

Erstens Tatsachen!

Zweitens interessante Tatsachen!

Drittens famos geschilderte Tatsachen!

Wer ihr diese bringt, sei er nun Fachmann oder in seinem Urberuf Präsident der Vereinigten Staaten oder professioneller Lumpensammler, ist ihr herzlich willkommen und wird glänzend bezahlt — vorausgesetzt, daß er den Wert seiner Ware zu würdigen weiß und ohne falsche Scham zu fordern versteht. Denn business is business. Mehr als sie muß, zahlt auch die amerikanische Zeitung bestimmt nicht.

Nach der Lehre der Anpassung ist also der freie amerikanische Schriftsteller, wenn er nicht gerade Romancier ist, zu allererst und überhaupt Neuigkeitsjäger im Lande der Wirklichkeit. Landsknecht im Zeitungsdienst. Großer Landsknecht, kleiner Landsknecht, mittlerer Landsknecht, oder minderwertiger Landsknecht, je nach Können, und Laune Dame Fortunas. Es gibt free lances, die tagaus, nachtein, in schäbigen Bars herumvegetieren, um einen kleinen politischen boss zu erwischen und ihn zu interviewen — es gibt solche, die auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko Flibustierexpeditionen ausrüsten, Südseeinseln erforschen, in nördlichste Eisregionen wandern — es gibt free lances, die mühselig aus mühselig ergattertem Kleinen einige Zeilen »copy« fabrizieren — und es gibt geniale Künstler, die aus ihrer Zeitungsarbeit Kunstwerke flammender Schilderung schaffen.