Da klingelte man des Morgens, knipste das elektrische Licht an und stürzte sich noch im Bett auf die Zeitungen, die Morgenausgaben des Journal, der World, der Sun, des Herald, des American, der Times. Gierig. Fieberhaft. Was war los? Was gab es? Wo konnte man den Hebel ansetzen? Man nahm die Zeitungen mit in die Badewanne und man schleppte sie hinunter zum Frühstück; amerikanerhaft futternd, ohne rechten Sinn für das, was man aß, wie eine Maschine, in die zu bestimmter Zeit Brennstoff hineingeschaufelt wird. Um 9.30 Uhr morgens war man glücklich im nötigen Stadium der Arbeitserregung, verschiedene Grade über normal. Wer in Neuyork lebt, muß mit den Neuyorkern heulen, und ein Neuyorker kann nun einmal nur unter anormalem Hochdruck arbeiten, sei er nun Käsehändler oder Trustmilliardär oder Zeitungsmensch.
Lesen, lesen, lesen!
Ach, schon wieder zehn Minuten vergangen! Husche, husche, die Riesenspalten hinab — ruck, auf die andere Seite hinüber. Alles in Sekunden. Man hat es ja längst gelernt, so zu lesen, wie der Zeitungsmensch lesen muß: In photographischem Erfassen eines Zeilenbildes von zehn, zwanzig Zeilen auf einmal mit Hirn und Auge.
Rasch, nur rasch.
Wie macht sich die Arbeit von gestern? Wie ist sie plaziert? Welche Buchstabengröße hat der editor ihrer Ueberschrift gegeben? Ah, man atmet auf. Korpus 3: die Ueberschriftgröße, die Sachen von Bedeutung gegeben wird.
Weiter geht die Jagd. Denn irgendwo in diesen vielen Zeitungsspalten sind neue Arbeitsaufgaben zu finden, wenn man nur zu suchen weiß. Der Landsknecht lebt meist von dem, was von den regulären Soldaten der Zeitung unbeachtet gelassen worden ist. Krampfhaft sucht man nach einer Anregung. Der große Sensationsprozeß da — eine Dame der Neuyorker Gesellschaft ist durch Seltzerpulver, die ihr anonym zugesandt worden waren, vergiftet worden, und ein Herr der Gesellschaft steht nun auf Indizienbeweise hin als wahrscheinlicher Täter vor den Geschworenen — der interessiert uns nicht. Was da zu tun ist, ist getan. Jede Neuyorker Zeitung hat ihre besten Schilderer im Gerichtssaal, ihre Detektive an der Arbeit. Ueber die politischen Ereignisse des Tages muß man sich zwar informieren; aus ihnen Arbeit zu schöpfen jedoch ist Sache der Spezialisten —
»Working? An der Arbeit?« frägt eine helle Stimme.
»Guten Morgen, guten Morgen,« antwortete ich hastig. »Geh weg, Flossy. Awfully busy. Bin fürchterlich beschäftigt!«
»Well — t—ta—ta, my boy...«
Weiter, weiter, im Hasten. Man wird nervös und ärgerlich. Ist denn gar nichts los heute? Steht wirklich nichts geschrieben zwischen den Zeilen? Nun gilt es, sorgsam zu lesen. Was man da überflogen hat, die Kunde von den bedeutenden Ereignissen des Tages, das ist vom Zeitungsstandpunkt schon ausgeschöpft bis ins Tiefste. Was offenbar wichtig ist und in die Augen fällt, haben die Männer der Redaktionen ohne Zweifel schon in Arbeit.