»Nun, nun,« meinte der Herzog, seinen Sohn auf die Schulter klopfend, »ich spreche nicht als Herzog, sondern als Vater, und ich will nicht, daß du im geeigneten Momente als Ignorant auftrittst, sondern selbständig zu handeln weißt mit Würde und Takt, denn wir Fürsten kleiner Staaten haben heutzutage einen schwierigen Stand, und du sollst die Souveränität unseres Hauses so lange als möglich bewahren.«

»Hoffentlich bist du noch recht lange dazu berufen, lieber Vater,« entgegnete Prinz Emil herzlich, aber der alte Herr zuckte mit den Achseln.

»Chi lo sa!« meinte er. »Ich verspüre längst Abdikationsgelüste, und je schöner die Sonne scheint, und je schöner die Rosen blühen, desto lieber vertauschte ich die Krone mit einem Gärtnerhute. Sieh' nicht so perplex aus, Emil, einmal mußt du doch dran!«

»Cela s'arrangera plus tard!« rief Prinzeß Alexandra, ihre Überraschung mit den sich daran knüpfenden Sorgen unter einem heitern Ton verbergend, denn so bestimmt hatte der Herzog noch nie dieses Thema verfolgt. »Einstweilen wollen wir hier recht vergnügt sein und uns der schönen, freien Sommertage freuen!«

»Ich wollte, sie wären vergangen,« trällerte Prinzeß Lolo.

Jetzt sah der Herzog ernst auf.

»Wenn dir der Aufenthalt hier unangenehm ist, so will ich dich zu meiner Schwester, der Fürstin Äbtissin ins Stift schicken,« sagte er, »da hast du fünfzig Stiftsdamen zur Unterhaltung!«

Die kleine Prinzeß wurde ganz blaß vor Schreck.

»Um des Himmels willen, Papa, das wäre entsetzlich,« rief sie halb weinend. »Die ernste, alte Tante und die uralten Damen alle! – Nein, nein, da wäre es schöner, allein in der Lüneburger Haide zu wohnen –!«

»Du hast die Wahl zwischen Monrepos und dem Stift,« entgegnete der Herzog trocken.