»Berührt vom Strahl des ew'gen Lichts,« sagte Dolores träumerisch. »Ach, Prinzeß, wer so fein die Farbentöne fühlt, wie Sie, ist selbst ein Meister –«
»Nur muß man daneben keine Fürstin sein, sonst glaubt's niemand,« meinte der Erbprinz.
»Die Menschen haben so viele Vorurteile,« rief Dolores, »aber die meisten haben sie gegen die, welche sich ihre Sachen mit einer Krone – von der fünfzackigen bis zur Königskrone, zeichnen lassen können.«
»Und doch steht der Lorbeer den Kronen so schön!« seufzte die Prinzeß.
Wieder ging es mit der Arbeit weiter, und alles, alles rings war still – da tönten plötzlich unten aus dem Dorf herauf die Abendglocken durch die reine Luft, und Dolores erhob sich, vom Rande des dunkler werdenden Wassers Vergißmeinnicht zu pflücken, die da in Menge blühten.
»Jetzt fehlte nichts als ein Lied,« sagte der Erbprinz leise mit bittendem Tone.
»Ach ja, ein Lied,« wiederholte Prinzeß Alexandra.
Da setzte sich Dolores auf einen moosbewachsenen Stein, hart am Ufer, und sang, ihren Vergißmeinnichtstrauß mit breitem Grase bindend, in den fernen Glockenklang hinein.
Fernher tönen Abendglocken
Leis' mit wundersüßem Klang,