Glockenklar, voll und doch so sanft zog die herrliche Stimme durch die stille Luft und erstarb mit dem letzten fernen Klang aus dem Dorfe drunten.
Der Erbprinz hatte sein Antlitz mit den Händen bedeckt, während die Prinzeß den Pinsel sinken ließ und auf die Sängerin hinüber sah. Und als das Lied beendet war, erhob sie sich leise und trat zu Dolores hin.
»Wollen Sie mir diesen kleinen Strauß geben zum Andenken an den heutigen Abend?« fragte sie und legte ihre Rechte auf das goldige Haupt vor ihr. »Und auch das Lied?« setzte sie hinzu. »Denn das kam doch aus Ihrem Herzen, nicht wahr?«
»Ja,« sagte Dolores einfach. »Es kam mir gestern Abend in den Sinn, als ich einsam hier saß – ich will es aufschreiben. Und hier ist der Strauß,« fügte sie aufstehend hinzu. »Aber die kleinen, blauen Blütenblätter fallen ab, Hoheit, wenn sie trocken sind.«
»Das thut nur die Männertreu', niemals das Vergißmeinnicht,« rief der Erbprinz hinüber.
»Wirklich?« fragte Dolores fröhlich. »Nun ja, wenn Hoheit selbst es sagen, muß es wohl wahr sein.«
»Männertreu' ist Spreu im Winde,
Standhaft ist Vergißmeinnicht,
Männertreue welkt geschwinde
Und zerfällt, wenn man sie bricht.