Nur Vergißmeinnicht, das liebe,
Blüht im Herzen ewig neu –
Doch wie Wasser in dem Siebe,
Wie der Wind ist Männertreu' –«
deklamierte der Erbprinz.
»O Emil, wie weise von dir, das selbst zu sagen,« lachte seine Schwester, »glaubst du wirklich, dem Pfeil damit die Spitze abzubrechen? Ja, ja, die Männertreu' hat einen bösen Ruf.«
»Da ist's am besten, man erprobt sie nicht,« meinte Dolores ernsthaft.
Die Prinzeß warf einen schnellen, prüfenden Blick auf sie, dann zog sie ihre Uhr und sah nach der Zeit.
»Ich fürchte, wir sind über Urlaub geblieben, Emil,« rief sie, indem sie rasch ihre Malutensilien zusammenpackte, und als sie damit fertig war, reichte sie Dolores die Hand. »Vielen Dank, Baronin, für das Lied. Wir werden doch gute Nachbarschaft halten, nicht wahr? Es wäre so schön – und der Sommer ist so bald vorüber, da muß man die Zeit benutzen! Also auf baldiges Wiedersehen!«
Die fürstlichen Geschwister gingen, Dolores aber blieb noch eine kleine Weile am Hexenloch zurück, und als sie heimkehrte, hatte sie noch Lust zu einem Plauderstündchen bei Engels, wo Ida und Knieper sie mit dem höchsten Ausdruck der Freude empfingen, deren ihre Hunde- resp. Katzenseelen fähig waren. Denn in der Begegnung mit der edlen, freundlichen Fürstentochter war es ihr warm geworden ums Herz – das waren, ausgenommen den alten Engels, die ersten Menschen, die ihr vorurteilsfrei die Hand reichten auf dem Weichbilde des Falkenhofes, seit sie dessen Herrin war. Denn bei aller Liebenswürdigkeit, die Doktor Ruß entfaltete, wollte das Gefühl nicht von ihr weichen, daß es Absicht war, die aus ihm zu ihr sprach.