Schon am folgenden Tage ließen sich der Kammerherr von Deßing und die Hofdame von Drusen bei Dolores melden, um im Namen der herzoglichen Familie ihren Besuch abzustatten. Sie saßen genau fünf Minuten bei der Schloßherrin in dem Rokokosalon, dessen Mitte jetzt ein kostbarer Flügel einnahm – die Hofdame sehr steif, sehr mager, sehr zurückhaltend – der Kammerherr sehr beweglich, sehr fein, sehr rund und rosig.
Nach den konventionellen fünf Minuten erhob sich Fräulein von Drusen, der Kammerherr sprang empor, und bald saßen die beiden nebeneinander in der Equipage, bis wohin Dolores ihnen gefolgt war, da sie ja die herzogliche Familie repräsentierten.
Das alte, im Dienste ergraute Paar rollte dahin, erst schweigend, bis endlich die Hofdame das Eis brach.
»Sie ist eine Dame, lieber Deßing,« sagte sie mit Nachdruck, und der Kammerherr, der mit Ungeduld auf den Urteilsspruch seiner Pythia gewartet hatte, stimmte strahlend ein.
»Eine Dame, natürlich eine Dame, verehrte Freundin!«
»Nun, natürlich ist es nicht,« sagte die Hofdame scharf.
»Nein, natürlich ist es nicht,« zog der Kammerherr seinen Enthusiasmus zurück. »Sie meinen, weil – –«
Sie nickte.
»Natürlich,« sagte sie schneidend. »Es bleibt ja so leicht etwas von der Schminke zurück. Aber hier, Gott sei Dank, habe ich nichts bemerkt, und die Ehren, die sie mir, als Gesandtin unserer Prinzessinnen, erwies, waren tadellos. Das nennt man Rasse, lieber Deßing.«
»Rasse, liebe Freundin – die sich nie verleugnen kann,« stimmte der Kammerherr strahlend zu und rieb sich die Hände, denn er freute sich des Erfolges dieser Visite sehr, erstens, weil Dolores ihm sehr gefiel, und dann lebte er gern mit sich und der Welt auf freundschaftlichem Fuße.