»Ich glaube gar, Sie schwärmen im Mondschein, Baron,« sagte sie in ihrer neckenden Weise.
Er atmete tief auf.
»Vielleicht, Prinzeß,« sagte er leicht. »Hatten Durchlaucht dieselbe Absicht?«
Sie schwang sich auf die Balustrade der Terrasse und verzog ein wenig das rote Mündchen.
»Am liebsten thät' ich's, schon weil es sich für unsereinen nicht schickt,« meinte sie, mit den Beinen baumelnd wie ein Pensionskind.
»Ei, so rebellisch, Prinzeß?« sagte er, um nur etwas zu sagen.
»Ich wollte, ich könnte die ganze Welt umkehren, mindestens aber Papas Herzogtum,« schmollte die kleine Durchlaucht, deren Begriffe von der Welt noch sehr vage waren. »Es ist gar nicht amüsant, Prinzessin zu sein, wissen Sie. Ich bin aber trotz der alten Drusen hinausgelaufen, denn der Trara, den sie drinnen über das dumme Lied machen, ist schrecklich. Sie thaten ganz recht auch zu entfliehen.«
Falkner antwortete nicht, wozu auch? »Backfische machen sich gewöhnlich aus ernster Musik nichts,« dachte er, und dabei fiel es ihm doch auf, daß er für die Elfe dort im Mondlicht keinen anderen Namen hatte als den, der jungen Mädchen dieses Alters geschmackvollerweise von der Welt gegeben wird.
»Das Lied ist ja recht hübsch,« fuhr die Prinzeß im Protektortone fort, »aber finden Sie einen Sinn darin? Es ist alles so unklar. Natürlich, Opernsängerinnen verstehen das alles furchtbar raffiniert vorzutragen, darin liegt's!«
Es war kein hübscher Ton und kein hübscher Blick, mit dem das naive, fürstliche Backfischchen dort das Wort: »Opernsängerin« begleitete, und Falkner ward frappiert davon. War das Eifersucht, was so gehässig aus dem Kindermunde dort sprach –?