Dolores unterdrückte das Wort auf ihren Lippen, und schweigend schritt sie vorwärts, in den träumenden, nachtdunklen Park hinein, und schweigend schritt Falkner neben ihr her.
»Glauben Sie nicht, Donna Dolores,« begann er nach einer Weile, »daß ich hier neben Ihnen gehe, um Ihnen neue Kränkungen zu bereiten. Im Gegenteil, ich benutze die einzige, mir günstige Gelegenheit zu einem Tete-a-tete mit Ihnen, um – um Sie zu fragen, ob Sie daran glauben, daß Frauen, schwer beleidigte Frauen vergeben können?«
»Was soll diese Frage?« klang es abweisend zurück.
Es ward jetzt so dunkel unter den Bäumen, daß sie einander nicht mehr erkennen konnten, aber sie hörte, wie sein Atem schwer ging, gleichsam als müsse er die zu sagenden Worte aus tiefster Brust gewaltsam heraufholen.
»Ich habe Ihnen manches böse, kränkende Wort gesagt,« begann er endlich, »und ich will mich darum nicht entschuldigen, weil Sie vielleicht auch all' diese Dinge, wie Vorurteile, getäuschte Hoffnungen, beleidigter Stolz nicht verstehen und als mildernd gelten lassen würden. Aber die Erkenntnis ist ein Gast, vor dem ein Ehrenmann die Thür nicht schließen darf, und darum stehe ich jetzt hier und frage Sie: wollen Sie mir vergeben, womit ich Sie gekränkt?«
Es war sehr still geworden unter den im Nachtwind flüsternden Bäumen, denn Dolores antwortete nicht – sie hätte kein Wort über die Lippen gebracht. Und weiter schritten sie nebeneinander, und doch getrennt wie von einem reißenden Strom – dann wiederholte er seine Frage:
»Wollen Sie mir vergeben, Donna Dolores, und wollen Sie vergessen, womit ich Sie gekränkt?«
Sie atmete tief auf.
»Sie haben eine für Ihren Stolz schwere Frage gethan,« erwiderte sie leise, »aber bei Gott, glauben Sie mir, es ist auch nicht leicht, mit einem aufrichtigen Ja zu antworten. Doch es sei, ich will's versuchen, ob ich vergeben kann, was Sie mir angethan – aber vergessen – nein, Herr von Falkner, es hieße meine Würde als Weib außer acht lassen und mich selbst in Ihren Augen wie in den meinen herabsetzen, wenn ich dazu bereit wäre. Verstehen Sie das?«
Sie waren herausgetreten aus der dunklen Allee, und nun stand sie vor ihm im hellen Mondlicht, die schlanke Gestalt im dunklen Gewande und schwarzen Schleier, durch den es von ihrem Haupt goldig schimmerte, und sie glich der Norne, der Schicksalsgöttin mit dem rätseltiefen, dunklen Auge in dem weißen Antlitz.