»Nun, ich übernehme es, dafür zu sorgen,« rief die Prinzessin lebhaft. »Wir wollen einander oft sehen, nicht wahr? Wir wollen alles besprechen, was uns interessiert. Sie sind doch unsere Verbündeten, meine Herren?«
»Mit Enthusiasmus, Durchlaucht, für solchen Zweck,« erwiderte Keppler warm. Falkner antwortete nur mit einer stummen Verbeugung.
Am Gitter von Monrepos sagte man sich Lebewohl. Der Herzog stand hier, eine große Menge Bast im Arme, ein Okuliermesser in der Hand, und bedauerte lebhaft, die nette Partie versäumt zu haben! Und dabei sah er so einfach, so glücklich und harmlos aus, daß es fast rührend war. Es drückt eben nicht jede Krone die Stirn ihres Trägers. Ob daran die Krone oder die Stirn die Schuld trägt?
»Der gute Herzog, es ist ein Glück für ihn, daß er nichts, rein nichts von einem Prometheus in sich hat,« meinte Doktor Ruß, als er an Dolores' Seite dem Falkenhofe zuschritt.
»Halten Sie das wirklich für ein Glück?« fragte sie träumerisch. »Ich meine, es ist eine schöne Aufgabe, das göttliche Feuer vom Himmel herabzuholen und Großes mit ihm zu schaffen.«
»Trotz dem sicheren Gefühl, gefesselt wie Prometheus an den starren Felsen der Intolleranz von dem Geier der öffentlichen Meinung zerfleischt zu werden?« fragte Ruß.
»Trotzdem, ja, denn das einmal errungene Feuer giebt die Kraft des Ertragens.«
»Nun ja – chaque homme porte en lui un Prométhée, créateur rebelle et martyr,« citierte Ruß jene gekrönte Dichterin, Carmen Sylva, die uns so rührend und wahr die Geschichte vom Leiden geschildert, weil es ihr mitgegeben ward auf ihrem Lebenspfade.
In jener Nacht tönten noch lange die Klänge einer herrlichen Stimme, eines meisterhaft gespielten Flügels aus den Mauern des Falkenhofes hinaus in die warme Sommernacht, die fernes Wetterleuchten magisch durchzuckte. Schmelzend, jauchzend, todestraurig und erschütternd klang die wunderbare Stimme hinaus und verklang fern im Säuseln der Nachtluft in den Bäumen.
»Unsere Baroneß singt doch schaurig schön,« meinte unten Mamsell Köhler in der Domestikenstube, »aber es ist nicht mein Fall! Wenn sie lange so fort singt, da wird sie nicht alt – überhaupt,« und sie senkte die Stimme zum Flüstern, »überhaupt – sie hat zusammengewachsene Augenbrauen – das ist ein böses Zeichen. Hört ihr's – das klang fast wie ein Schrei, daß es einem durch Mark und Bein geht. Nein, da lobe ich mir doch die Lieder, die man zu meiner Zeit sang: ›Guter Mond, du gehst so stille‹ und ›Als ich auf meiner Bleiche –‹. Da lag doch Gemüt drin, aber die Lieder, die Baroneß singt – hu, das ist ja das reine Teufelswerk.«